Der doppelte "Tatort: Unter Freunden / Unter Feinden" aus Kiel mit dem Debüt von Karoline Schuch war eine gewagte Konstruktion, weil die Nachfolgerin Axel Milbergs erst spät eingeführt wurde. Ein geglücktes Debüt? Und wie realistisch war, dass die Mafia Geldwäsche bei einem Start-up betreibt?
Mila Şahin (Almila Bağrıaçık) und Kriminalpsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch) sind das neue Frauen-Duo im Kieler "Tatort". Nach Şahins Vor-Vorgängerin Frieda Jung (Maren Eggert) wird an der Ostsee ein zweites Mal die psychologische Komponente von Ermittlungsarbeit gestärkt. Beim Debüt Kriegers hält sich die Tiefenpsychologie allerdings noch zurück.
Schließlich geht es um einen Fall von Organisierter Kriminalität und menschliche Abhängigkeiten in einem korrupten System aus Bestechung, Abhängigkeiten und Drohungen. In diesem Spannungsfeld dachten die Beteiligten wohl eher weniger über ihre Kindheit nach. Wie realistisch ist das Szenario, in dem die Mafia Geldwäsche in der Start-up- und Hightech-Branche betreibt? Und wer macht nun eigentlich in Kiel als Ermittler weiter?
Worum ging es?
Nach dem Tod ihrer Freundin und Kollegin Anna Nowak (Lilith Stangenberg) glaubte Kommissarin Mila Şahin nicht an einen Drogenunfall. Sie ließ sich krankschreiben und ermittelte gegen den Widerstand ihres neuen Vorgesetzten Robert Iwersen (Yorck Dippe) heimlich weiter gegen Kuper (Sven Schelker) aus dem Wirtschaftsdezernat. Sie vermutete ein Netzwerk aus Korruption, organisierter Kriminalität und Geldwäsche rund ums Kieler Unternehmen Prometheus.
Dessen Chefin Viola Berger (Sarah Hostettler) fürchtete die Rache des Mafia-Paten Luca Pelosi (Fabrizio Romagnoli). Ihr Mann Oscar (Pascal Houdus) gab ihr die Schuld am Druck durch das schmutzige Geld. Mit Polizeipsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch) wollte Şahin über Druck auf den korrupten Bullen Kuper (Sven Schelker) das kriminelle Konstrukt zum Einsturz bringen.
Worum ging es wirklich?
Neben der Einführung von Psychologin Elli Krieger, die sich erst in Teil zwei richtig vollzieht, geht es vor allem um eine Neujustierung und Aufwertung der ehemaligen Assistenz-Ermittlerin Mila Şahins. Wohl nicht zufällig inszenierte Lars Kraume sowohl den letzten "Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa" mit Axel Milberg wie auch den Zweiteiler mit der verbliebenen Almila Bağrıaçık und Neu-Partnerin Karoline Schuch.
Kraume verantwortet auch das Drehbuch. Er verwandelt den Kiel-"Tatort" von einer Milberg-Soloshow, die er von Beginn an trotz wechselnder Partnerinnen war, zu einem Ensemblestück mit vor allem starken Frauenfiguren. Almila Bağrıaçıks Aussage zum Neustart ihrer Figur nach dem Rückzug Axel Milbergs lässt tief blicken. Im NDR-Interview zum Doppel-Fall sagt sie: "Ich fand es manchmal schade, meine Bandbreite als Schauspielerin für Şahin nicht einsetzen zu können. Und dann kam Lars, Lars Kraume."
Wie sieht das neue Kieler "Tatort"-Team nun aus?
Nachdem im "Tatort: Unter Freunden" kurz angetäuscht wurde, dass Lilith Stangenberg (38) als psychisch derangierte Freundin Mila Şahin deren Partnerin werden könnte - sicher auch eine reizvolle Konstellation -, ist nun klar: Elli Krieger, gespielt von Karoline Schuch (44), die tatsächlich ein Psychologie-Studium abgeschlossen hat, trägt die zweite Ermittler-Hauptrolle.