Felix Neureuther verrät: So veränderte eine Beerdigung den Blick auf seine Karriere

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Felix Neureuther
2019 beendete Felix Neureuther seine Karriere als Skisportler.
Getty Images / Thomas Kronsteiner

Zwischen "Tränen in den Augen" und "Beine schwer wie Blei": Im Podcast mit Robin Gosens erinnerte sich Felix Neureuther an belastende Momente seiner Karriere - inklusive einer schweren Verletzung. Außerdem verriet er, wie ausgerechnet eine Beerdigung ihm bei der Überwindung Letzterer geholfen hat.

Ein halbes Jahr harte Arbeit - zerstört in einem Schwung: Im Dezember 2017 erlitt Felix Neureuther im Training einen Kreuzbandriss. Aufgrund der schweren Verletzung musste er alle Hoffnung auf eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 begraben. "Das war ein sehr harter Moment", dachte er nun im Podcast "Wie geht's? Mit Robin Gosens" daran zurück. Mit "Tränen in den Augen" sei er damals im Schnee gelegen. Zudem habe er das Gefühl gehabt, seinen Trainer- und Betreuerstab "im Stich gelassen" zu haben, erinnerte sich der 42-Jährige.

Doch wenig später habe eine prägende Erfahrung seine Verletzung für ihn eingeordnet. Ein befreundeter Skifahrer, der damals mit 17 Jahren infolge eines Sportunfalls querschnittsgelähmt geworden sei, habe Neureuther um etwas gebeten: Der Skistar sollte ihn zu einer Beerdigung eines jungen Mannes begleiten, der einen Skiunfall mit dem Leben bezahlte. Auf dieser Trauerfeier habe Neureuther die Erkenntnis erlangt: "Was hab ich für einen Grund, mich selbst zu bemitleiden? Das ist lächerlich." Im Gespräch mit Robin Gosens betonte der heutige TV-Experte: "Es gibt Menschen da draußen, die haben wirklich Grund zu jammern."

Im Nachhinein habe er zwar an dem Kreuzbandriss zu knabbern gehabt, allein: "Rückblickend betrachtet war es für mich aber der wichtigste Moment, den ich hatte." Neureuther fügte erklärend hinzu, er habe dadurch nicht nur viel Zeit mit seiner damals frisch geborenen Tochter verbringen können, sondern: "Ich konnte in dieser Zeit alles vorbereiten, was nach der Karriere passieren wird."

Felix Neureuther über Ski-Karriere: "Mich hat die Erwartungshaltung teilweise erdrückt"

Dennoch kam Felix Neureuther in dem Podcast auch nicht umhin, über belastende Phasen in seiner Karriere zu sprechen. Teilweise habe ihn "diese Erwartungshaltung von außen fast erdrückt", räumte er Zeiten ein, in denen "ich alles am liebsten in die Ecke hätte stellen wollen". Auch wegen seiner erfolgreichen Eltern Rosi Mittermeier und Christian Neureuther sei er mit einer "wahnsinnigen Erwartungshaltung" konfrontiert gewesen, beschrieb der Vierfachpapa im Podcast.

"Ich war teilweise wie versteinert am Start. Meine Beine haben sich angefühlt wie Blei", nahm er Robin Gosens mit in seine damalige Gefühlswelt. Geholfen habe Neureuther damals die Rückbesinnung auf seine Kindheit: "Ich habe mich immer wieder an den drei-, vier-, fünfjährigen Felix erinnert." Als Kind habe er Skifahrer bewundert. Selbst ein solcher zu sein, habe ihn stets mit großer Dankbarkeit erfüllt. Diese Art, mit Druck umzugehen, eignete sich Felix Neureuther aber erst über die Jahre an.

Heute, mehr als sieben Jahre nach seinem Karriereende, vermisse er am meisten "den Moment, wenn 50.000 Menschen im Ziel stehen und ein Labyrinth an Slalomstangen vor dir ist". Neureuther zeigte sich im Austausch mit Robin Gosens überzeugt: "Solche Momente kannst du fast nur im Sport erleben." Rückblickend stünden für Neureuther aber nicht die einzelnen Erfolge im Mittelpunkt, "sondern die ganze Reise, auf die du dich begibst". Das habe ihn zum Fazit geführt: "Ich glaube, dass wir als Sportler am wenigsten jammern dürfen. Es gibt Menschen, denen geht es wirklich nicht gut."

Quelle: teleschau – der mediendienst