"Erschlagen, vergiftet, lebendig verbrannt": TV-Doku zeigt Horror rumänischer "Hundetötungs-Stationen"

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"Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich"
Eingefangenen Straßenhunde werden nur 14 Tage lang in den Sammelstellen festgehalten, bevor sie getötet werden.
Joyn
"Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich"
Tierschutz-Influencer Nathan Goldblat reist nach Rumänien.
VETO Tierschutz
Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich
Viele Tier hoffen darauf, noch rechtzeitig von Hundeliebhabern adoptiert zu werden.
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Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich
200 Euro werden in Rumänien für jedes gefangene Tier gezahlt.
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In Rumänien lässt sich mit dem Betrieb sogenannter Hundetötungsstationen enormes Geld verdienen. Die ProSieben-Doku "Die Hunde-Mafia: How to Kill a Puppy And Get Rich" deckt die erschreckenden Zustände in den Einrichtungen auf - und schreckt dabei auch vor "sehr verstörenden" Bildern nicht zurück.

Es ist kaum eträglich, was ProSieben an diesem Mittwochabend zur Primetime zeigt - auf dem Sendeplatz, auf dem sich eine Woche zuvor noch Heidi Klum und ihre Topmodel-Anwärter den weniger ernsten Dingen des Lebens widmeten. "Die folgende Dokumentation zeigt Bilder von Tierleid, die auf einige Zuschauer sehr verstörend wirken können", heißt es nun stattdessen, wenn der Tierschutz-Influencer Nathan Goldblat nachforscht, wie man - so der Titel der Dokuserie - "einen Welpen tötet und reich wird" ("How to Kill a Puppy And Get Rich").

Gängig ist dieses bewusst provokativ ausformulierte Geschäftsmodell in Rumänien. Dorthin reist Goldblat in Begleitung verschiedener Aktivisten und Influencer, um "auf einen dringenden Missstand in Europa aufmerksam zu machen". Seit 2013 dürfen in Rumänien Straßenhunde eingefangen und - nach einer zweiwöchigen Frist - in sogenannten Tötungsstationen eingeschläfert werden. Im Film ist von "bis zu 400 Euro" die Rede, die die Betreiber besagter Tötungsstationen pro Hund kassieren - bei Hunderttausenden Straßenhunden ein lukratives Geschäft, das sich Kriminelle zunutze machen.

"Eigentlich müssen wir von einer Hunde-Mafia sprechen", stellt die Tierschützerin Jana Hoger fest. "Das heißt, es sind Tötungsstationen, in die Hunde zu Massen gebracht werden, dort unter schlimmsten Bedingungen eingesperrt und auch getötet werden - erschlagen, vergiftet, lebendig verbrannt."

"14 Tage, die meist schlimmer sind als der Tod selbst"

Beim Besuch verschiedener Tötungsstationen werden Nathan Goldblat und seine Begleiter unter Tränen Zeuge der Bedingungen, unter denen die gefangenen Tiere in den zwei Wochen vor ihrem Tod gehalten werden. Mit ihren Handykameras filmen sie unterernährte, verängstigte Hunde, denen oft nicht einmal Trinkwasser zur Verfügung steht. Es seien "14 Tage, die meist schlimmer sind als der Tod selbst", findet Goldblat. Wenn die Tiere in dieser Zeit nicht von Tierschutzvereinen oder rumänischen Staatsangehörigen aus der Station geholt werden, erwartet sie die Einschläferung - zumindest offiziell.

"Eine echte Euthanasie gibt es in diesen Einrichtungen nicht", stellt ein anonymer Informant im Film klar. "Die Hunde werden in Tötungsgruben getötet, oft vor den Augen anderer Hunde. Dabei werden ihnen giftige Substanzen injiziert, teilweise Insektizide." Die verwendeten Substanzen seien "so stark verdünnt, dass manche Hunde erst in den Säcken sterben, in denen sie zur Verbrennung transportiert werden", erklärt der anonyme Tierschützer, der im Zusammenhang mit den privaten Tötungsstationen ebenfalls von mafiösen Strukturen spricht.

Ähnlich erschreckend wie die Schilderungen des Mannes sind die Bilder, die rumänische Aktivisten dem Produktionsteam zuspielen. Acht Tage lang haben die Tierschützer mit versteckten Kameras gefilmt, was sich in einer der privaten Tötungsstationen abspielt. Zunächst ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter mit einem Schlingstock auf einen Hund einschlägt.

"Wir haben jetzt hier auf Kamera, wie der Hund umgebracht wird"

Doch es kommt noch schlimmer: "Wir haben jetzt hier auf Kamera, wie der Hund umgebracht wird", ist Goldblat entsetzt. Was folgt, dürfte selbst hartgesottenen Zuschauern die Tränen in die Augen treiben: Das Tier fiept, schreit und fängt an zu torkeln, als ihm ohne vorherige Betäubung ein tödliches Gift injiziert wird. "Es fängt an, dass die Atmung gelähmt wird, sodass die Hunde letztendlich bei vollem Bewusstsein ersticken", ordnet eine Tierschutzdetektivin das Material ein.

Er sei "fassungslos", staunt Goldblat, als sich ihm der nächste grausame Anblick bietet: "Noch bevor der Tod einsetzt, werden die Tiere bei vollem Bewusstsein und Schmerzempfinden über die Mauer geworfen." Legal ist das nicht. "Es sind sehr beweiskräftige Aufnahmen, auf denen man deutlich kriminellen Instinkt erkennen kann und wie er fast mit Vergnügen tötet", sagt die rumänische Stadträtin Emma Stratulat über den Betreiber der Station. Ihre Einschätzung: "Wenn er nicht ins Gefängnis kommt, weiß ich auch nicht weiter."

Goldblat und sein Team bringen den Fall zur Anzeige. "Es ist nicht das, was ich mir gewünscht habe. Ich wäre da jetzt gerne hingefahren und hätte heute den Laden dichtgemacht", seufzt der YouTuber, als ihm bewusst wird, dass dies nur der erste Schritt war. Nun gehe es an die Öffentlichkeitsarbeit, betont er: "Es reisen ab jetzt jeden Tag Content Creators in Rumänien an und versuchen mit mir gemeinsam so großen Druck auf die EU auszuüben, dass die EU es durchsetzt, dass sämtliche Tötungsstationen zu Kastrationszentren umgewandelt werden."

Anzeige hat Erfolg: Tötungsstation wird geschlossen

Denn Kastrationen, macht der Film deutlich, sind die einzige Lösung - auch wenn diese im Gegensatz zum Tötungssystem natürlich nicht enorme Gewinne abwirft. "Du merkst es wahrscheinlich nicht nach zwei Jahren, nicht nach vier Jahren", erklärt Matthias Schmidt, der Leiter des größten Tierheims in Europa, den langfristigen Effekt von Kastrationskampagnen. "Es wird rund 15 Jahre dauern, bis es sogar kostengünstiger ist, die Tiere zu kastrieren als zu töten."

So erschreckend die Erkenntnisse der rund dreistündigen Doku sein mögen, enden die Recherchen doch mit "sehr guten Neuigkeiten". Diese überbringt Emma Stratulat, die Goldblat am Telefon verkündet, dass die angezeigte Tötungsstation geschlossen wurde. "Wir konnten alle Hunde befreuen. 205 Hunde haben wir gerettet, zusammen mit der Polizei. Die Station soll "nie wieder öffnen". Es ist ein schwacher Trost. Noch sind in Rumänien etwa 130 Tötungsstationen in Betrieb - und die "Hunde-Mafia" weiterhin aktiv.

Quelle: teleschau – der mediendienst