Elmar Theveßen offenbart in ZDF-Doku "zwei Wege, wie man Trump stoppt"

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"Ein Land unter Trump - Macht, Wandel, Widerstand"
Stets dem Land zu Diensten - oder doch eher sich selbst? Ein ZDF-Film wirft einen kritischen Blick auf die bisherige Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident.
ZDF / whitehouse.gov
Elmar Theveßen
Trump handle derzeit nach "einem Leitfaden in die Autokratie", wie ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen erklärt.
ZDF / Andreas Reeg

"Er hat in allererster Linie ein Ziel: seine Machtgier zu erfüllen": Radikaler denn je baut Donald Trump die USA nach seinen Vorstellungen um. Ein Jahr nach seiner Amtseinführung zieht ein ZDF-Film Zwischenbilanz zur zweiten Amtszeit des US-Präsidenten.

Der Racheengel. Der Antidemokrat. Der Kulturkrieger. Es sind reichlich martialische Kapitel-Titel, die Gaston Saša Koren und Dietrich Duppel für ihren ZDF-Film "Ein Land unter Trump - Macht, Wandel, Widerstand" gewählt haben. Doch auch der Mann, den sie filmisch unter die Lupe nehmen, geht radikal vor: Alleine im noch jungen Jahr 2026 hat Donald Trump den Präsidenten von Venezuela entführt, mehrfach den in seinen Augen geltenden Gebietsanspruch der USA über Grönland betont und ist aus 66 internationalen Institutionen ausgetreten.

Pünktlich zum ersten Jubiläum von Trumps Amtseinführung folgt nun eine filmische Zwischenbilanz. "Er hat in allererster Linie ein Ziel: seine Machtgier zu erfüllen, damit sein Ego zu befriedigen", diagnostiziert ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen dem starken Mann im Weißen Haus Narzissmus. Um sich an politischen Widersachern zu rächen, sei Trump jedes Mittel recht: "Er ist bereit dazu, die Werkzeuge eines Präsidenten als Waffen zu missbrauchen." Das mache den Republikaner laut Jeff Jarvis "gefährlich". Die Fans des Präsidenten scheint das nicht zu stören, wie der US-Journalist beobachtet: "Trumps Anhänger sehen ihn fast wie einen religiösen Messias."

Trump-Fan hat Erinnerungsschrein und will, "dass mein König wie Donald Trump ist"

Eine davon ist Mayra Joli. Beim Besuch der Filmemacher in ihrem Haus zeigt die Anwältin für Migrationsrecht stolz ihren Erinnerungsschrein mit MAGA-Kappen und Einladungen ins Trump'sche Anwesen Mar-a-Lago. Joli ist überzeugt davon, Trump sei "von Gott selbst" entsandt und sei "ein großer Führer". Dass im Oktober 2025 landesweit sieben Millionen Menschen gegen die radikale Politik des Präsidenten mit dem Slogan "No Kings" demonstrierten, widerspricht ihrem Weltbild total, denn: "Ich will, dass mein König wie Donald Trump ist."

Von einer Monarchie mag die USA noch weit weg sein, doch das System Trump arbeite nach einem "Leitfaden in die Autokratie", wie Elmar Theveßen erklärt: dem Project 2025. Was einst ein Gedankenspiel der ultra-konservativen Denkfabrik der Heritage Foundation war, wird unter Trumps Ägide rasend schnell zur politischen Realität. Der ideologische Feldzug gegen die LGBTQ-Gemeinschaft, die "America First"-Doktrin, die strategische Besetzung politisch einflussreicher Posten und die rigide Immigrationspolitik sind nur einige Beispiele, die auch der ZDF-Film aufgreift.

Das Project 2025 beinhalte auch die "Abschaffung der Gewaltenteilung, Missachtung von Recht und Gesetz und die Abschaffung von Grundrechten", erklärt Theveßen und kommt zu dem Schluss, dass schon jetzt "Ähnlichkeiten mit düsteren Zeiten der deutschen Geschichte" bestehen.

Journalistin Karen Attiah fiel den neuen Gegebenheiten zum Opfer. Weil sie trotz der Übernahme der "Washington Post" durch Trump-Freund Jeff Bezos weiter kritisch berichtete, wurde sie gefeuert. "Wir sind der Gnade dieser mächtigen Leute ausgeliefert", klagt Attiah. Der aktuelle Zustand im Land sorge sie: "Für viele Amerikaner fühlt sich das an wie Faschismus, wenn maskierte Agents Menschen verschwinden lassen."

US-Journalistin verurteilt Trump-Gesetz: "Es ist ein Angriff auf unser soziales Sicherheitsnetz"

Auch in der Innenpolitik ergreift "Dealmaker" Donald Trump vor allem Maßnahmen, die ihm selbst helfen. Mit der staatlichen Effizienzbehörde Doge, die mittlerweile eingestellt wurde, setzte er unzählige Menschen auf die Straße. Trumps versprochene Steuerreform hat er umgesetzt - und bevorteilt damit Superreiche, während es den Armen aufgrund von Einschnitten in den Sozialsystemen noch schlechter geht. "Es ist ein Angriff auf unser soziales Sicherheitsnetz", bringt Journalistin Elizabeth Becker das vom Weißen Haus als "Big Beautiful Bill" beworbene Gesetz auf den Punkt.

Das Versprechen Trumps von einer florierenden Wirtschaft sei obendrein in Gefahr, wie Elmar Theveßen prognostiziert: "Die Wirtschaft wird dramatisch in Schwierigkeiten kommen." Weiter skizziert der ZDF-Korrespondent in Washington: "Trump kann nur auf zwei Wegen gestoppt werden." Die Gesellschaft müsse "gemeinsam aufstehen" - inklusive Medien, Gerichten und Wirtschaftskonzernen -, um Trumps autokratischer Politik Einhalt zu gebieten. Eine zweite Möglichkeit sei es, dass sich auf dem Weg "in den wirtschaftlichen Abgrund Menschen von ihm abwenden". Danach könnten Wahlen eine neue Regierung ermöglichen, so Theveßen, wenngleich er warnend anfügt: "Wenn es dann noch faire und gerechte Wahlen in diesem Land gibt."

Quelle: teleschau – der mediendienst