Millionär wurde bei WWM schon lange keiner mehr. Selten genug erreichen die Kandidatinnen und Kandidaten die Halbe-Million-Stufe. Am der am Montag ausgestrahlten Sendung war es wieder so weit, und die Augen wurden feucht. Es waren allerdings Freudentränen.
Personalkauffrau Claudia Koch aus Neuenbürg bei Pforzheim hat keine Kinder, aber drei Katzen. In ihren Augen würden diese "fast mehr Arbeit" machen als Kinder. Damit die Personalkauffrau mit ihrem Gatten weniger Arbeit hat, entschied sich das Paar für doppelte Wohnungen. "Wie funktioniert das?", war Günther Jauch neugierig, von seiner "Wer wird Millionär?"-Kandidatin zu erfahren. Der Vorteil dieses Wohn- und Beziehungskonzeptes war in Kochs Augen: "Man kann sich trennen, wenn man mal ein bisschen Ruhe braucht, aber die Frage 'zu dir oder mir?' macht wieder Spaß."
Ein weiterer Spaßfaktor im Leben von Claudia Koch: Depeche Mode. Der Kultband hielt sie bereits seit 40 Jahren die Treue. "Andere haben Eigentumswohnungen, ich war auf vielen Depeche Mode-Konzerten", berichtete sie. Die ersten Antworten weckten die Hoffnung, es könne heute etwas werden mit dem Immobilienerwerb.
Nachdem Claudia Koch die 16.000er-Hürde souverän gemeistert hatte, erkundigte sich Günther Jauch bei der mitgereisten Mutter: "Sagen Sie, was haben Sie für eine Tochter? Hat die vorher was genommen?" Die Mama erklärte: "Die ist von Kindheit an wissbegierig, hat viel gelesen." All das schien sich heute bezahlt zu machen.
Kandidatin zockt mutig: "Ich sitze nur einmal hier"
Zudem war Claudia Koch Mitglied in einem deutschlandweit aktiven Quizverein. Ihr Teamkapitän sollte bei der 32.000-Euro-Frage helfen: "Was war über 400 Jahre lang eine Kolonie Portugals und ist heute der kleinste indische Bundesstaat?" Goa, Ceylon, Macau, Malakka? Der Telefonjoker plädierte sofort für Goa, was auch das Bauchgefühl der Kandidatin war. "Wollen wir das nicht noch mal absichern?", bettelte Jauch. Vergeblich: "Nö, wenn der das sagt, stimmt das, und wenn nicht, bekommt er Ärger mit mir", fand Claudia Koch. Die Antwort war richtig.
64.000 Euro wert: "Welche Redensart hat ihren Ursprung in Bestattungsritualen?" Hoch und heilig, samt und sonders, sang- und klanglos, hieb- und stichfest? Der Publikumsjoker lieferte ein wackeliges Ergebnis. Es kam lediglich eine 54 Prozent-Quote für Antwort C zustande. Claudia Koch schob daher den 50:50-Joker hinterher. Nachdem B und C übrig blieben, entschied die Kandidatin: "Ich sitze nur einmal hier." Sie folgte der schwachen Mehrheit der Schwarmintelligenz.
"Mutig, interessant, vielleicht exotisch, verzockt, wieder richtig? Alles ist möglich", fasste Günther Jauch den Moment in Worte. Der Mut wurde belohnt. Die Mutter der Kandidatin war sichtlich den Tränen der Rührung nahe. Jauch erklärte den Hintergrund der Antwort: "Bei schlichten Begräbnissen gab es weder Gesang noch Glockenklang."
"Ich hatte hier die Zeit meines Lebens!"
"Was hat ein gewisser Rudolf Kunzmann 1956 als Erster in Flaschen abgefüllt und bekam dafür prompt einen Bußgeldbescheid?" Die Antwort war 125.000 Euro wert. Zur Wahl standen Glühwein, Trinkkakao, alkoholfreies Bier und Cola. Lediglich ein Mann stand auf, um sich als Zusatzjoker anzubieten. "Aber er ist sehr schnell aufgestanden", versuchte Claudia Koch, sich Mut zu machen. "Aber er ist jung und braucht das Geld", stichelte Günther Jauch. Der Joker glaubte, Glühwein sei gefragt.