Praktischerweise hat sich der Sportvorstand der Münchner inzwischen zum Interview eingefunden. "Wie dick ist die Luft zwischen Ihnen und Uli Hoeneß wirklich?", will Lili Engels wissen. "Ich muss da gerade ein bisschen schmunzeln", schmunzelt Eberl. "Ich habe mich gerade mit Chris unterhalten und hab das nur am Rande mitbekommen." Unangenehme Fragen weglächeln kann Julian Nagelsmann irgendwie besser.
Kramer: Sparen ist die größere Leistung
Dafür eilt sein Ex-Spieler Kramer zur Verteidigung: "Sparen bei dem Kader von Bayern München ist wahrscheinlich die größere Leistung." Er muss aber auch zugeben: "Es ist noch kein Manager in die Geschichte eingegangen, weil man gesagt hat: 'Boah, der hat aber unheimlich viel gespart!'" Stimmt. Mit dieser Einstellung wird man allerdings weder Vorstand bei deutschen Autobauern noch Finanzminister.
Irgendwann rollt dann in dem "charmanten" Stadion von Wiesbaden der Ball. Vincent Kompany, so will Oliver Schmidt gehört haben, musste übrigens googlen, wo Wiesbaden ist. Und außerdem sind die Bayern mit dem Bus gefahren. So, wie der Kommentator das aufzählt, klingt es wie eine logische Prämisse: Kompany weiß, wo Wiesbaden ist. Die Bayern fahren mit dem Bus nach Wiesbaden. Ergo: Kompany ist Busfahrer. Wäre womöglich ganz gut, wenn der Belgier ein zweites Standbein hätte. Seit Pep Guardiola hat nämlich kein Bayern-Trainer zwei komplette Saisons überstanden.
Erst Kane, dann Kaya
Es könnte auch für Kompany schwierig werden. Obwohl das Spiel erst einmal gut losgeht für sein Team: Die Bayern tragen nicht dieses potthässliche Trikot, dass so aussieht wie das Shirt von Bruce Banner, wenn er sich in den Hulk verwandelt. Außerdem gibt es nach zehn Sekunden den ersten Torschuss (von Diaz), und nach 15 Minuten den Führungstreffer, weil Harry Kane seinen 20. Elfmeter im 20. Pflichtspiel für die Bayern versenkt. Chris Kramer dazu in der Halbzeitpause: "Wenn es nur Harry Kanes gäbe, würden Braunschweig und Stuttgart noch spielen."
Aus der Pause kommen die Wiesbadener "mit einem Hauch mehr Mut", findet Oliver Schmidt. Recht hat er: Zwar kassiert Wehen erst das 0:2, doch danach steht der Bayern-Sturm öfters im Abseits als Mario Gomez in seiner gesamten Länderspielkarriere. Und Fatih Kaya macht innerhalb von sechs Minuten zwei Buden. Plötzlich ist das Ganze ein veritabler Pokal-Fight!
Bestsellerautor Kramer ist düpiert
Kaya wird übrigens "Man of the Match", obwohl diese Auszeichnung Torwart Florian Stritzel gebührt hätte. Der macht das vielzitierte Spiel seines Lebens und verhindert sogar den 21. erfolgreich verwandelten Elfmeter von Harry Kane. Auf der Tribüne schaut Julian Nagelsmann angestrengt in sein Smartphone, vermutlich sucht er Stritzels Kontaktdaten. Und Chris Kramer ist sich sicher, "dass es heute den ein oder anderen neugeborenen Sohn gibt, der Florian heißt in Wiesbaden. Und wenn's ne Tochter wird, dann wahrscheinlich Stritzel."
Am Ende verliert der Außenseiter unglücklich mit 2:3, weil Harry Kane halt Harry-Kane-Sachen macht. Die Wiesbadener sind trotzdem stolz auf sich und finden sogar noch Zeit, Christoph Kramer zu sagen, dass sie sein Buch gelesen haben. "Du hast ein Buch geschrieben?", fragt Lili Engels. "Ja habe ich", antwortet Kramer düpiert. Seine Augen sagen: Platz 1 in der Bestsellerliste. Verfilmung ist schon geplant.
Kurz darauf ist er aber schon wieder bestens gelaunt und resümiert: "Wir haben vom ZDF hier das richtige Pokalspiel ausgesucht. Hatte wieder alles. Kanes verschossener Elfmeter. Wahnsinns Torhüter. Mir hat's großen Spaß gemacht." Dem ist nichts hinzuzufügen.