Nachdem die erste Staffel der Doku-Serie "In höchster Not - Bergretter im Einsatz" (ARD / BR) mit 6,9 Millionen Abrufen in der ARD-Mediathek besonders erfolgreich war, gibt es nun eine neue Staffel. Acht neuen Folgen stehen zunächst im Stream bereit.
Hochdramatisch geht es auch in der neuen Staffel der BR-Dokuserie "In höchster Not - Die Bergretter" zu. Erneut werden die ehrenamtlichen Retter der Bergwachten von Grainau (Zugsitze) und Ramsau (Wilder Kaiser) bei ihren gefährlichen Einsätzen begleitet. Alle acht Folgen à 45 Minuten sind ab 06. Mai in der ARD-Mediathek abrufbar, das Erste sendet am 18. Mai (21.45 Uhr) die ersten beiden Folgen. Zu sehen ist in den fürwahr packend erzählten Beiträgen die Arbeit der Bergwachtler am Abgrund, stets Wind und Wetter ausgesetzt und nicht selten in einem Wettlauf mit der Zeit. Wer allerdings Hollywood-Actionkino erwartet, liegt schief. Hier geht es um die nackte Realität: um Abrufbarkeit rund um die Uhr, die präzise Organisation im Notfall, um Koordination und das Knowhow des Teams am Berg. Das alles aus der Perspektive der Retter und zum guten Teil mit eigener Kamera gefilmt.
"Ich stehe am Watzmann und kann nicht mehr weiter!" - Wenn solch ein Notruf die Leitstelle der Bergwacht erreicht, ist höchste Not am Mann. Dabei ist nicht gewiss, wie gefährlich die Situation für den Verirrten ist. Dem ohnehin Gestressten muss die wahre Situation entlockt werden, die dieser selbst nicht selten noch immer unterschätzt. Zieht ein Gewitter auf? Droht Steinschlag? Wie steil ist die Stelle? Könnte der Mann, den sie bei der Bergwacht einen "Patienten" nennen, abstürzen, wenn er sich weiter bewegt?
Die Leute von der Bergwacht sind alle freiwillige Helfer, aber gut ausgebildet als Piloten, Kletterer oder Ärzte. Der Umgang mit Seil und Haken ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Der Ton der Retter kann bei der Arbeit manchmal eher rau als herzlich sein, besonders wenn der zu Rettende keine Einsicht in die Gefährlichkeit der eigenen Lage hat. Ein steiler Hang fällt plötzlich zur Schlucht ab - es droht ein 100 Meter tiefer Sturz. Da klingen die Kommandos ("Hinsetzen, nicht bewegen!") ebenso sinnvoll wie barsch. Dabei ist es für die Bergretter unerheblich, ob sich der in Not Geratene aus Leichtsinn oder aus kaum nachvollziehbarer Abenteuerlust in die Bredouille brachte. Die Retter kennen nur ihre penible Funktion und den Erfolg ihrer Aktion.
Bergretter im Nebenberuf
Diesmal ist alles gut gegangen. Nach einer schwieringen Suche kann die Freundin ihren Liebsten in die Arme schließen. Dass das nicht immer so ist, weiß das eingespielte Team, hauptberuflich ist vom Kaminkehrer bis zur Realschullehrerin alles dabei. Auch ein Teamleiter ist bei einer schwierigen Suche im Nebel einst abgestürzt, so berichten sie. Das war vor längerer Zeit, ist aber allen im Gedächtnis geblieben. Der Schock saß tief, der Bericht darüber geht noch heute ihnen selbst und dem Batrachter unter die Haut.
Gleiches droht, als es einen in eine Gletscherspalte Gestürzten zu retten gilt. Eine Wetterand zieht auf, Hagel setzt ein, es wird ein Rückzug samt späterer Fortsetzung geplant. Man unterbricht die Aktion, "abgebrochen" wird nie. Aber es ist einer der gefährlichen Momente, der in Erinnerung bleiben wird. Das einsetzende Schlechtwetter und fallender Nebel verhindern den Hubschraubereinsatz in 2.000 Metern Höhe.
Wobei Hubschraubereinsätze kostenmäßig ohnehin ein besonderes Kapitel sind. Es kann teuer werden, wobei die Kasse nur bei schweren Verletzungen bezahlt, die nicht selbst verschudet sind. Auch erfahrene Bergsteiger missachten mitunter fahrlässig den Wetterbericht und ahnen nichts von der Wetterfront hinter der Watzmann-Kante. Da ist es gut, wenn die Retter vor der Kamera mahnen, dass der Berg "kein Fitnessgerät und auch kein Spielzeug" sei. Oder in abgemilderter Form: "Der Berg ist immer der Chef, und er verzeiht halt auch keine Fehler. Es kann halt immer was passieren. Genau für so was ist die Bergwacht dann auch da."
Nicht selten pressen die Geretteten hinterher ein halbherziges "Dankeschön!" hervor. Einmal gerettet, ist die Todesnähe schnell vergessen. So ist denn die Dokumentarserie, die im Reportagestil ohne Off-Kommentar auskommt, ganz nebenbei auch eine fortlaufende Warnung für Bergwanderer und Kletterer, eine Bergtour von Anfang bis Ende - mit Auf- und Abstieg - zu planen. Den Durchnittszuschauer schwindelt es allerdings schon, wenn er die Retter und ihre Klientel auf steilen Bergkämmen sieht oder in die tief liegenden Talkessel blickt, über denen sie schweben.
Quelle: teleschau – der mediendienst