"Jedes Mädchen hat seine Geschichte in Berlin". Von K.-o.-Tropfen bis zu sexuellen Übergriffen zeigt eine neue ZDF-Reportage, wie groß die Angst vieler Frauen im Alltag ist. Mit innovativen Ideen sollen Städte sicherer gemacht werden.
"Es sind teilweise aggressive Leute", klagt eine Passantin am Berliner Bahnhof Zoo. Zwischen Reisenden halten sich hier auch zahlreiche wohnungslose Menschen auf. Mitten in diesem Umfeld ist Varvara Borodkina regelmäßig als Bahnhofsläuferin im Einsatz. Gemeinsam mit ihrem Team setzt sie auf Präsenz, Gewaltprävention und persönliche Gespräche, um Menschen seelisch zu unterstützen und für mehr Sicherheit zu sorgen. Die neue ZDF-Reportage "plan b: City vibes -Wie machen wir unsere Städte sicherer?" begleitet sie bei ihrer Arbeit.
Varvara ist Teil des Berliner Unternehmens "think SI3". Die junge Frau ist nicht nur am Bahnhof unterwegs, sondern gehört auch zum Awareness-Team im Berliner Mauerpark. Besonders junge Frauen und Jugendliche werden dort immer wieder belästigt. "Jedes Mädchen hat eine Geschichte in Berlin", erzählt ein Mädchen dem ZDF-Team.
Eine andere junge Frau kann das bestätigen. Sie berichtet, dass sie in einem anderen Berliner Park unter Drogen gesetzt wurde. Sie habe nicht auf ihre Eltern gehört und Getränke "von irgendwelchen Fremden" angenommen. "Da waren K.o.-Tropfen drin. Dementsprechend kann man sich schon denken, was passiert ist". Was genau sie damit meint, verrät sie dem Team nicht. Obwohl sich der Vorfall in der Öffentlichkeit abspielte, habe "keiner was bemerkt". Varvara und ihr Team wollen dazu beitragen, dass solche Situationen künftig verhindert werden.
Souleymane Sow ist Geschäftsführer und Gründer von "think SI3". Besonders stolz ist er auf die Vielfalt seines Teams. Insgesamt werden dort 27 verschiedene Sprachen gesprochen, was die Kommunikation mit Menschen unterschiedlichster Herkunft erleichtert. Doch auch die Teammitglieder geraten immer wieder selbst in schwierige Situationen und erleben Rassismus.
Im vergangenen Jahr registrierte die Berliner Polizei rund 500.000 Straftaten. Bundesweit waren es etwa 5,5 Millionen. Den größten Anteil machten Diebstähle mit 32 Prozent aus, gefolgt von Betrugsdelikten mit 12,4 Prozent.
"Ob eine kleine Beleidigung, Catcalling oder Anfassen - passiert leider viel zu oft"
Doch auch in München fühlen sich viele Frauen unsicher. Eine junge Frau berichtet dem ZDF-Team, dass sie nur mit Freunden in den Club gehe, mit denen sie sich "gut verstehe" und die immer für sie da seien. "Ich pass da sehr auf, dass ich mich immer auf die Leute verlassen kann. Ob eine kleine Beleidigung, Catcalling oder Anfassen - passiert leider viel zu oft". Eine andere Frau schildert ähnliche Erfahrungen. Sie habe ihr Getränk "immer im Blick", um sich davor zu schützen, unbemerkt unter Drogen gesetzt zu werden.
Dass selbst Security-Personal nicht jeden Vorfall verhindern kann, zeigt der tragische Fall von Tilman Rumland. Seine damalige Freundin wurde in einem Club Opfer eines Übergriffs und konnte keine Hilfe holen. "Ich war fassungslos. Und dachte: Dafür muss es im 21. Jahrhundert doch eine Lösung geben", erinnert sich Tilman.