Das merkt man schon am Ton seiner Ausbilder. Einer von ihnen erklärt schroff die Verwendung eines sogenannten Tourniquets, mit dem die Blutzufuhr im Bein abgeschnürt wird: "Der hat immer noch keine Schmerzen. Also ist es immer noch nicht zu, erst, wenn er jault." Da das Kamerateam von "Cooked" nur unter Aufsicht eines Offiziers der Pressestelle filmen darf, seien das wohl die Bilder, die die Bundeswehr von sich zeigen wolle, mutmaßt die Sprecherin.
Bundeswehr will "interessante Einzelaspekte" auf Social Media hervorheben
Der Bund selbst reagiert auf Anfragen der Journalistinnen und Journalisten zum Thema TikTok allgemein und ausweichend. In einer schriftlichen Antwort heißt es, man stelle "interessante Einzelaspekte" in den Videos besonders heraus, um die Zielgruppe anzusprechen. Wer über die Inhalte entscheidet, will die Bundeswehr nicht sagen: Man übermittle keine Informationen zu internen Abläufen.
Die Werbung für neue Rekruten, ob im Internet oder auf Plakaten, ließ sich der Bund zuletzt 66 Millionen Euro kosten. Im Gegensatz dazu stehen zahlreiche Berichte von Soldatinnen und Soldaten, die unter anderem von Mobbing, sexualisierter Gewalt oder rechtsextremen Kameraden berichten.
Mutter von verstorbenem Rekruten kritisiert: "Von der Bundeswehr kommen Ausflüchte, Ausreden"
Anna, eigentlich heißt die junge Frau anders, hat während ihrer Ausbildung in einem Sanitätsregiment Ähnliches erlebt. In der Reportage erzählt sie von Rassismus, von Schikane und von der Angst unter den Rekruten, sich krank zu melden, "weil man einfach nicht fertig gemacht werden möchte". Andere Soldatinnen und Soldaten aus Rennerod bestätigen das.
Bei den Stuben habe das Bild eines jungen Mannes gehangen, erinnert sich Anna. Der Auszubildende hieß Enes. Er ist 2023, im Alter von 17 Jahren, während seiner Zeit bei der Bundeswehr verstorben. Bereits im Vorfeld erzählte er seiner Mutter, dass sein Herz "komisch" schlage. Die Ärzte gingen wohl von einer Herzrhythmusstörung aus. Doch krankmelden wollte sich Enes nur "ungern", wie er selbst in einer Nachricht schrieb.
Sein Zustand verschlechterte sich allerdings immer weiter, bis ihn die Truppenärztin nach mehrmaligem Bitten mittags nach Hause schickte. Am Abend desselben Tages fand ihn sein jüngerer Bruder tot in seinem Schreibtischstuhl. Während ein Gutachten der Bundeswehr die Behandlung des Jungen als "fachlich, sachlich und zeitlich korrekt" einstufte, hielt ein unabhängiges Gutachten Behandlungsfehler für möglich.
"Ich habe am 18.7. einen vollkommen verzweifelten, ängstlichen und panischen, gebrochenen Jungen zurückgekriegt", erinnert sich Enes' Mutter mit zitternder Stimme. Den Umgang der Bundeswehr mit dem Tod ihres Sohnes kritisiert sie scharf: "Von der Bundeswehr kommen Ausflüchte, Ausreden, finanziell möchten sie Ausgleich leisten. Ich will von denen gar nichts. Ich wollte erklärt haben, warum."
"TikTok vs. Realität - So ist es bei der Bundeswehr" ist auf dem YouTube-Kanal "Cooked" zu sehen.
Quelle: teleschau – der mediendienst