Al Pacino wandelt als Tony Montana immer am Abgrund, beißt sich aber durch: Brian De Palmas "Scarface" ist ein Meisterwerk.
Er beginnt ganz unten, als kubanischer Flüchtling, und steht am Schluss ganz oben auf der Karriereleiter. Tony Montana, gespielt von Al Pacino, ist kein rücksichtsloser, egoistischer Yuppie-Aufsteiger, der den amerikanischen Traum als Börsenspekulant oder Immobilienmakler verwirklicht. Vielmehr erreicht "Scarface" Tony seine Ziele mit Skrupellosigkeit und Cleverness in der Halbwelt der amerikanischen Drogenmafia. Mit viel Gewalt und grellbunten Bildern, dem Licht der Nobeldiskotheken der 80er-Jahre nachempfunden, setzte Brian De Palma 1982 seinen Film "Scarface" (Sonntag, 28. Juni, 22.00 Uhr, ARTE) in Szene.
Der Titel erinnert an den klassischen Gangsterfilm "Scarface", 1932 unter der Regie von Howard Hawks gedreht. Brian De Palma und sein Drehbuchautor Oliver Stone verlegten die Handlung allerdings aus dem Chicago Al Capones in die schillernde, schnelllebige und oberflächliche Welt von Miami in den 80er-Jahren. "Scarface" Tony, dessen Spitzname von einer Narbe auf der linken Wange stammt, gelingt es, zusammen mit seinem Freund Manny Ray (Steven Bauer) in der Drogenmafia aufzusteigen.
Grandiose Leistung von Al Pacina
Skrupellos und clever nutzt Tony alle sich bietenden Gelegenheiten und übernimmt nach dem Mord an seinem Boss nicht nur die Macht im Syndikat, sondern heiratet auch dessen Witwe Elvira, gespielt von Michelle Pfeiffer. Doch ein Aufsteiger wie Tony Montana macht sich auf dem Weg nach oben viele Feinde.
Dass er damals nicht für den Oscar nominiert wurde, kann man heute kaum fassen: Denn seine grandiose Leistung als skrupelloser, durch exzessiven Drogenmissbrauch in die Paranoia abgleitender Verbrecher Tony Montana war absolut preiswürdig und festigte Al Pacinos Ruf als exzellenter Gangster-Darsteller. Seine Filmkarriere begann Pacino, 1940 in New York geboren, als Mafiaboss Michael Corleone an der Seite von Marlon Brando in Francis Ford Coppolas "Der Pate".
Lange Zeit in Deutschland indiziert
Die Originalfassung von "Scarface" war in Deutschland über Jahre indiziert - allerdings nicht nur wegen seinen brutalen Szenen, sondern auch wegen des Vorwurfs, das Gangsterleben zu verherrlichen. Für den deutschen Markt entstanden deshalb zwei gekürzte Fassungen: eine um wenige Sekunden gekürzte FSK-18-Version sowie eine rund 15 Minuten kürzere FSK-16-Fassung.
Die letztgenannte Fassung zeigt nun ARTE. Aus heutiger Sicht gilt die Gewalt des Gangsterfilms als weniger explizit, als sein Ruf vermuten lässt. So verzichtet selbst die berüchtigte Kettensägenszene weitgehend auf Details und setzt stattdessen auf Wirkung durch Andeutung.
Quelle: teleschau – der mediendienst