Der Adel wurde in Deutschland vor über 100 Jahren abgeschafft. Trotzdem gibt es noch heute Nachfahren, die in beinahe adligen Verhältnissen leben. Welche Bedeutung hat ein früherer Titel heute noch? Die "Y-History"-Reportage "Lang lebe der Adel" ist dieser Frage auf den Grund gegangen.
Einen deutschen Adel gibt es offiziell nicht mehr. Mit Inkrafttreten der Weimarer Verfassung 1919 wurden alle Titel und Privilegien der vormals "blaublütigen" Familien abgeschafft. Trotzdem gibt es noch heute Menschen mit historischen Familiennamen und prunkvollen Wohnsitzen. Doch welche Rolle spielt der Adel hierzulande noch?
Mit dieser Frage hat sich "Y-History"-Reporterin Carolin von der Groeben beschäftigt. Als "Carolin Gräfin von der Groeben" trägt sie selbst einen adeligen Nachnamen - außer einem eindrucksvollen Stammbuch bringt ihr dieser jedoch keine Vorteile mehr.
Im Gegensatz zu Caspar Freiherr von Gumppenberg. Er wohnt in Schloss Peuerbach in Bayerbach und dürfte mit 21 Jahren der wohl jüngste Schlossbesitzer Deutschlands sein. Sein Vater, Dietrich Freiherr von Gumppenberg, verstarb, als Caspar 15 Jahre alt war. Nun lebt der Halbwaise gemeinsam mit seiner Mutter Susanne Auernhammer in dem Schloss, das über mehr als 400 Quadratmeter Wohnfläche verfügt.
"Bist du Multimillionär?" - "Das sind Fragen!"
Wie Carolin auf Nachfrage erfährt, lautet Caspars kompletter Name Johannes Caspar Nepomuk, Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberbrennberg. Viele der Vornamen tauchen seit Generationen im Stammbaum der Familie auf. "Ein Name, der sich komplett durchzieht, ist Marquard. Mein Vater hieß auch Marquard", erzählt der 21-Jährige. Er könne sich durchaus vorstellen, diese Tradition bei seinen Kindern weiterzuführen.
Caspar, der nebenbei Medienkommunikationsmanagement studiert, übernahm das Schloss offiziell im Juli 2025. Neben den privaten Wohnräumen wird das Anwesen auch für Hochzeiten und Veranstaltungen genutzt. Ein Förderverein organisiert zudem jährlich einen Tag der offenen Tür. Für Caspar und seine Mutter wäre das Schloss wohl ohnehin zu groß. Beim Gang durch eines der vielen Zimmer will von der Groeben wissen, wann Caspar das letzte Mal in diesem Raum gewesen ist. Der gesteht schmunzelnd: "Aktiv hier drin vor drei Wochen. Das hört sich schlimm an, aber da habe ich den Schrank hier aufgebaut."
Um die monatlichen Kosten für das Schloss zu decken, sei ein vierstelliger mittlerer Betrag nötig. Carolin von der Groeben hakt bei dem Schlossherren nach: "Bist du Multimillionär?" Der antwortet zunächst ausweichend: "Das sind Fragen!", verrät jedoch anschließend: "Eigentlich nicht. Je nachdem, in welchem Winkel man das betrachtet. Ich selber verdiene im Monat 600 Euro."
Caspar übernahm 2025 Jahren das Familienanwesen
Die Summe zahle sich Caspar monatlich aus seiner eigenen Firma aus, die sich um den Erhalt des Schlosses kümmert. Doch alleine der Grundbesitz dürfte den 21-Jährigen schon deutlich wohlhabender machen.