In der Rolle des Superman kämpfte Dean Cain in den 90er-Jahren gegen das Böse. Heute engagiert sich der Schauspieler, der am 31. Juli 2026 60 Jahre alt wird unter anderem für eine US-Behörde, der eklatante Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.
Am 25. März 2025 wurde die türkische Doktorandin Rümeysa Öztürk völlig unerwartet von sechs größtenteils maskierten Beamten der US-Migrationsbehörde verhaftet. Auslöser war eine Kolumne in der Universitätszeitung "Tufts Daily", in der sie gemeinsam mit anderen Studierenden Israels Vorgehen im Gazastreifen als Genozid bezeichnet und einen Boykott israelnaher Unternehmen gefordert hatte. Der Grund ihrer Verhaftung wurde der Frau vorenthalten. Zwei Monate lang wurde sie mit 23 weiteren Frauen in einer zu kleinen, von Mäuse befallenen Zelle in Louisiana festgehalten.
Um ihre Festnahme zu ermöglichen, hatte die US-Regierung ihr Studentenvisum zuvor heimlich aufgrund angeblicher Unterstützung der Terrorgruppe Hamas annulliert. Öztürk, eine Absolventin der US-Elite-Universität Columbia, streitet das ab, Beweise für die Behauptung legte die Regierung nie vor. Der Fall zeigte, dass ICE unter Donald Trump nicht nur gegen illegale Einwanderung vorging, sondern auch zur Einschüchterung und sogar Ausschaltung politischer Gegner eingesetzt wird.
Im Universum der DC-Comics wäre Öztürks Behandlung eigentlich ein Fall für einen Helden wie Superman, der zur Rettung der unter zwielichtigen Umständen von einer Schurkenbande entführten Frau eilt. Doch bei zumindest einem Darsteller des berühmten Superhelden wäre eine solche Rettung wohl ausgeblieben: Dean Cain, der Superman in der 90er-Serie "Superman - Die Abenteuer von Lois & Clark" verkörperte, gab weniger als vier Monate nach dem Vorfall bekannt, Mitglied von ICE zu sein. In einem Video in den Sozialen Medien forderte er seine Fans auf, es ihm gleichzutun. Der Schauspieler, der am 31. Juli 2026 seinen 60. Geburtstag feiert, gilt als "Ehrenoffizier" der Behörde, der zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, von denen viele noch gravierender sind als im Fall Öztürk.
In den 90ern wählte Dean Cain noch Bill Clinton
Seit Beginn von Donald Trumps Amtszeit sind, wie aus Zahlen der Menschenrechtsvereinigung Human Rights Watch hervorgeht, mindestens 52 Menschen im Gewahrsam der Einwanderungsbehörde ums Leben gekommen. Dass Dean Cain sich am Vorgehen der Migrationspolizei nicht stört, dürfte allerdings niemanden überraschen, der seinen Werdegang verfolgt hat. War er in den 90er-Jahren noch Anhänger des demokratischen Präsidenten Bill Clinton, wandte er sich im 21. Jahrhundert den Republikanern zu.
2008 unterstützte Cain den im Vergleich zu Trump gemäßigten Präsidentschaftskandidaten John McCain, 2012 Rick Perry, einen konservativen Hardliner, der in den Vorwahlen aber Mitt Romney unterlag. Sowohl 2016 als auch 2020 und 2024 gab der Schauspieler und ehemalige Football-Star seine Stimme für Donald Trump. Mitglied der Republikaner ist Cain jedoch nicht. Das begründet er damit, dass die Partei seine Ansichten "nicht vollständig" repräsentiere.
Für ein Kernanliegen der Republikanischen Partei - der Bewahrung des zweiten Zusatzes der US-Verfassung, der der Bevölkerung den Waffenbesitz garantiert - engagiert sich Dean Cain hingegen auf hoher Ebene. Seit 2018 ist er Teil des Vorstands der National Rifle Association of America (NRA), jener Interessengruppe, die als verlängerter Arm der Waffenlobby fungiert.
Dean Cains Filme sprechen für sich
Ein weiteres Thema, das Cain am Herzen liegt, ist innerhalb der Republikanischen Partei jedoch umstritten: So setzte er sich für die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs durch das Osmanische Reich ein. Für sein Engagement wurde ihm 2018 sogar Armeniens Ehrenorden verliehen. Um die Türkei, den Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs, nicht zu verärgern, gibt es bei beiden großen US-Parteien Bedenken wegen des Umgangs mit diesem Geschichtskapitel. 2021 wurde der Genozid an den Armeniern von den USA dann doch noch formell anerkannt - unter dem Demokraten Joe Biden. Cain selbst hat keine armenischen Wurzeln. Seine Mutter war US-Amerikanerin, sein Vater Japaner.