Bevor er zur Talkshow-Ikone wurde, feierte Hubertus Meyer-Burckhardt seinen ersten großen TV-Erfolg mit einer ganz anderen Sendung. Zum 70. Geburtstag blickt der NDR auf eine Karriere zurück, die 1993 mit einer preisgekrönten Infotainment-Show begann.
Was ihn auszeichnet? "Mut" und "Humor" habe er von seiner Oma gelernt, bei der er großteils aufgewachsen ist, sagt Hubertus Meyer-Burckhardt in einer neuen NDR-Doku: "Diese Eigenschaften tragen mich durchs Leben. Ich habe mir die Wörter in jedes meiner Sakkos sticken lassen." Der beliebte Talk-Gastgeber wird am 24. Juli 70 Jahre alt. Am selben Tag, um 0.00 Uhr, zeigt der NDR Susanne Gliffes Film "Hubertus Meyer-Burckhardt - Ein Porträt".
Die Etiketten, die man ihm im Lauf der Jahre verpasst hat, sind zahlreich: "Grandseigneur des TV-Talks" und "TV-Legende" etwa, Plaudertalent mit untrüglichem Gespür für schwierige Gäste. Dass Meyer-Burckhardt aber mehr kann als nur ein guter Gastgeber zu sein, dass er mit Mut und Humor durchaus auch provozieren konnte, zeigt ein Rückblick auf den Beginn seiner Karriere.
"Sowieso" statt Talk Show: So fing alles an
Geboren wurde Meyer-Burckhardt am 24. Juli 1956 in Kassel. Schon 1972 stand er dort als Statist am Staatstheater auf der Bühne. Nach dem Abitur 1977 studierte er Geschichte und Philosophie, erst in Berlin, dann in Hamburg, und sammelte als Regieassistent am Thalia-Theater sowie an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin erste Bühnenerfahrung. Er besuchte die Hochschule für Fernsehen und Film in München und arbeitete in der Wirtschaft - in einer großen Werbeagentur und einer Filmproduktiongesellschaft.
Den eigentlichen Durchbruch brachte eine Sendung, die im Streit endete. Für den Süddeutschen Rundfunk entwickelte und moderierte Meyer-Burckhardt 1993 die Wochenrückblick-Show "Sowieso - Die Sonntagsshow", schräg, schnell, mit Publikum in Arena-Aufstellung. Schon die Entstehung war konfliktreich: Zerwürfnisse um redaktionelle Verantwortung und Honorare trieben die Macher schließlich zum Hessischen Rundfunk, während der SDR ausstieg. Am Ende sorgte ein Satirebeitrag über CSU-Politiker und eine als blasphemisch empfundene Passage über Jesus Christus für den endgültigen Bruch - der Bayerische Rundfunk setzte die Sendung ab. Die Grimme-Jury sah das anders und zeichnete "Sowieso" noch im selben Jahr aus.
Der Skandal schadete Meyer-Burckhardt nicht. Im Gegenteil: Ab 1994 übernahm er an der Seite von Alida Gundlach die "NDR Talk Show" - bis 2001, danach mit wechselnden, später mit Barbara Schöneberger als Partnerin.
Meyer-Burckhardt: Moderiere die "NDR Talk Show", solange man mich lässt
2019 machte Meyer-Burckhardt öffentlich, dass er an Krebs erkrankt ist. Die Tumore seien "faul", also nicht aggressiv, wie er selbst formulierte. Auf Anraten seiner zweiten Frau Dorothee Röhrig, mit der er seit 2015 verheiratet ist, gab er ihnen die Namen seiner Lieblingsautoren: Kafka und Shaw. 2020 berichtete er im Podcast von Barbara Schöneberger, der Krebs sei "komplett im Griff" - und er habe durch die Krankheit sogar "eine der besten Begegnungen meines Lebens" gemacht, die mit seinem behandelnden Professor.
Die Erfahrung hat ihn verändert, aber nicht gebremst, wie im neuen NDR-Porträt klar wird. Er wisse inzwischen, "wie wertvoll unsere knapper werdende Lebenszeit ist", sagt er - und hat deshalb die Reisesendung "Zeitreisen" abgegeben, um Prioritäten neu zu setzen. Die "NDR Talk Show", Ratesendungen und ausgedehnte Lesereisen mit seinen Büchern bleiben dagegen fester Bestandteil seines Alltags.