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"Nicht gut genug": Markus Lanz über Selbstzweifel und Arbeit als Kind


Autor: Agentur dpa

Hamburg, Dienstag, 21. April 2026

Moderator Markus Lanz erzählt, wie Selbstzweifel und schwierige Erfahrungen aus seiner Kindheit ihn bis heute prägen - und warum er darin auch eine Stärke sieht.
Mit einem Volontariat in Hamburg startete Markus Lanz' Medienkarriere. (Archivbild)


TV‑Moderator Markus Lanz spricht offen über Selbstzweifel, die ihn nach eigenen Worten bis heute begleiten. In einem Stern-Interview erzählt der 57‑Jährige, wie sehr ihn Gedanken wie "nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug" geprägt haben. Diese Sätze begleiten ihn demnach seit seiner Kindheit und sind auch im Erwachsenenalter nicht verschwunden. Sie haben sich tief in sein Selbstbild eingebrannt und seinen Blick auf Leistung und Erfolg beeinflusst.

Aufgewachsen ist Markus Lanz in Südtirol in Italien. Schon früh musste er hart arbeiten, unter anderem auf Kartoffeläckern und in der Gastronomie. Er jobbte in Hotels als Tellerwäscher und erlebte dort eine Zeit, die er rückblickend kritisch sieht. "Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt", sagte Lanz dem Stern. Der Wunsch, diesen Umständen zu entkommen, sei schon damals stark gewesen.

Markus Lanz: "Minderwertigkeitskomplex" und der Wunsch, da rauszukommen

Die Jahre in Südtirol haben Markus Lanz nachhaltig geprägt. Früh erlebte er körperliche Arbeit, Hierarchien und Abhängigkeit - Erfahrungen, die sein Selbstwertgefühl belastet haben, wie er deutlich macht. "Rumgeschubst zu werden, ist ein Minderwertigkeitskomplex, den viele arme Leuten haben. Und es war auch mein Minderwertigkeitskomplex", sagt Lanz. Entscheidend sei weniger die Arbeit selbst gewesen als das Gefühl, fremdbestimmt zu sein und kaum Einfluss auf das eigene Leben zu haben. Stationen seines Lebens beleuchtet auch unser Porträt "Markus Lanz: Vom Kloster-Schüler zum TV-Topverdiener".

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Gleichzeitig wurde aus dieser Erfahrung ein klarer Antrieb. "Ich wollte da raus", sagt Lanz über seine Jugend. Bildung, Leistung und Disziplin wurden für ihn Mittel, sich aus den engen Verhältnissen zu befreien. Der Weg führte ihn zunächst zum Journalismus, später ins Fernsehen. 

Die Zweifel aus dieser Zeit sind geblieben. Gedanken wie "nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug" begleiten den 57‑Jährigen bis heute, unabhängig von äußerem Erfolg oder Anerkennung. Für Lanz sind sie Teil seiner Persönlichkeit geblieben - unabhängig von äußerem Erfolg oder Anerkennung.

Selbstzweifel als Haltung: "Immer zweifeln, immer hinterfragen"

Gleichzeitig ordnet Lanz im Stern diese Haltung gesellschaftlich ein. "Aber vielleicht hat es genau deshalb mit mir und Deutschland so gut gepasst: immer zweifeln, immer hinterfragen", sagte der Moderator. Was häufig als Makel empfunden werde, sieht er als Stärke. Er glaubt, "dass es genau der Zweifel war, der Wunsch, es immer noch ein bisschen besser zu machen, der dieses Land so erfolgreich gemacht hat".

Diese Haltung prägt seine Arbeit bis heute. Als Moderator der ZDF‑Talkshow "Markus Lanz" gilt er als hartnäckiger Fragesteller, der Diskussionen zuspitzt und Widersprüche offenlegt. Seine Gespräche sind geprägt von dem Anspruch, politische und gesellschaftliche Positionen genau zu prüfen. Lanz versteht sich dabei nicht als Stichwortgeber, sondern als jemand, der Verantwortung für die Tiefe des Gesprächs übernimmt.

Auch außerhalb des Fernsehens setzt er diesen Anspruch fort. Im Podcast "Lanz & Precht" diskutiert er gemeinsam mit dem Philosophen Richard David Precht über Politik, Geschichte, Macht und gesellschaftliche Entwicklungen. Der kritische Austausch, das Hinterfragen von Gewissheiten und unterschiedliche Perspektiven stehen dabei im Vordergrund.

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