Auch nach Rückschlägen immer wieder aufstehen: Senta Berger, die am 13. Mai ihren 85. Geburtstag feiert, ist eine Ikone des deutschsprachigen Films und Fernsehens, die stets ihre Frau stand.
Eigentlich, so hatte es Senta Berger nach dem Ende ihrer Reihe "Unter Verdacht" 2019 angedeutet, wolle sie sich langsam von der Schauspielerei zurückziehen. Dass die weltgewandte Wienerin und weitgereiste Wahlmünchnerin immer noch vor der Kamera steht, ist ein großes Glück. Für sie persönlich, der das Spielen seit jeher große Leidenschaft bedeutet. Für den deutschen Film, den sie entscheidend mitprägte. Vor allem aber für das Publikum, das ihr immer zu Füßen lag.
Einst Hollywood-Diva der 60-er, Kino-Ikone der 70-er und seither lebende Legende, verkörpert Berger als Filmstar aus dem Bilderbuch längst verloren geglaubte Eigenschaften. Zwischen glitzerndem Glamour und kritischem Blick auf die Branche, zwischen professioneller Distanz und vertrauter Nahbarkeit, zwischen kosmopolitischem Verve und bodenständiger Klugheit. Wenn Senta Berger am 13. Mai ihr 85. Lebensjahr vollendet, kann man nur hoffen, dass sie trotz ihrer jüngsten Schicksalsschläge auch weiter vor der Kamera steht.
Von Wien nach Hollywood
Geboren wurde Berger 1941 in Wien. Aufgewachsen ist sie im Stadtteil Lainz im 13. Bezirk. Ihr Vater Josef Berger war Musiker, Komponist und Dirigent, ihre Mutter Therese arbeitete mit ihm im Familienbetrieb. Die Bühne lernte sie früh kennen: Schon als Vierjährige stand sie mit ihrem Vater auf. Später studierte sie Schauspiel am renommierten Max-Reinhardt-Seminar, flog jedoch hinaus - angeblich wegen "mangelnder Disziplin". Eine Ironie, wie sich noch zeigen sollte.
Denn genau diese Disziplin wurde später zu einem ihrer Markenzeichen. 1961 gelang ihr mit nur 21 Jahren in der Simmel-Verfilmung "Es muss nicht immer Kaviar sein" der Durchbruch. Kurz darauf zog es sie nach Hollywood - ein ungewöhnlicher Schritt für eine junge deutschsprachige Schauspielerin jener Zeit. Dort stand sie mit den ganz Großen vor der Kamera: mit Frank Sinatra, Dean Martin, Charlton Heston, Kirk Douglas und John Wayne. Zwischen Los Angeles, Wien, Rom, Berlin und München wurde Berger zum internationalen Filmstar.
Doch sie war nie bloß Projektionsfläche. In italienischen Produktionen wie "Als die Frauen noch Schwänze hatten" spiegelte sie in den 1970er-Jahren die große Italiensehnsucht der Deutschen, in den 1980ern gelang ihr das erfolgreiche Fernseh-Comeback. Wer könnte die Taxi fahrende Titelheldin aus "Die schnelle Gerdi" vergessen? Berger selbst nannte diese Rolle einmal ihre Lieblingsrolle - bemerkenswert für jemanden, der Hollywood erlebt hatte. Vielleicht, weil sie darin etwas von sich selbst wiedererkannte: Unabhängigkeit, Witz und Unangepasstheit.
Auch in "Kir Royal" hinterließ sie bleibenden Eindruck. Ihre Rolle in Helmut Dietls bissiger Schickeria-Satire wurde Kult. Dabei betonte Berger stets, nie Teil genau jener Welt gewesen zu sein, die sie dort so elegant persiflierte. "Ich habe noch nie zur Schickeria gehört", sagte sie einmal - und man glaubte es ihr sofort.
Eine Ausnahmeerscheinung - in jeder Hinsicht
Diese Haltung zeigte sich auch jenseits der Leinwand. Berger gehörte nie zu jenen Stars, die sich hinter Glamour versteckten. Im Gegenteil: 2021 sprach sie im "Zeit"-Interview auch über die Schattenseiten des Filmgeschäfts. Sie berichtete von sexualisierten Übergriffen, die sie als junge Schauspielerin erlebt habe - unter anderem durch mächtige Männer wie Produzent Darryl F. Zanuck oder Schauspieler O. W. Fischer. Dass sie diese Erfahrungen erst spät öffentlich machte, erklärt viel über ihre Generation - und darüber, wie selbstverständlich Machtmissbrauch damals hingenommen wurde.