Mireille Mathieu wird 80 - und hat immer noch Lampenfieber
Autor: Sabine Glaubitz, dpa
, Mittwoch, 22. Juli 2026
Wie bleibt eine Künstlerin über sechs Jahrzehnte hinweg unverwechselbar? Mireille Mathieu hat darauf ihre eigene Antwort gefunden. Zum 80. Geburtstag blickt sie nicht zurück, sondern nach vorn.
Im Musikgeschäft, in dem Trends kommen und gehen, wirkt Mireille Mathieu wie eine Ausnahmeerscheinung. Ihr tiefschwarzer Pagenkopf, die roten Lippen und die unverwechselbare, glockenhelle Stimme sind seit den 1960er Jahren nicht nur Markenzeichen, sondern ein Stück Musikgeschichte. Doch hinter der scheinbaren Unveränderlichkeit der Französin, die am Mittwoch (22. Juli) 80 Jahre wird, steckt kein Stillstand.
Denn bei aller Erfahrung ist Mireille Mathieu vor jedem Auftritt noch immer die Künstlerin, die den besonderen Moment spürt. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur beschreibt sie sich als neugierig, diszipliniert - und empfindsam. «Ich habe Lampenfieber», sagte sie. Ein Satz, der überrascht aus dem Mund einer Sängerin, die vor Präsidenten, Königen und Millionen Zuschauern gesungen hat.
Vor ihrem Jubiläumskonzert im Pariser «Olympia» im Oktober vergangenen Jahres kämpfte sie nach eigenen Worten eine Woche lang mit der Aufregung. Ausgerechnet dort hatte ihre Karriere im Dezember 1965 begonnen, als sie erstmals auf der Bühne des legendären Konzertsaals stand.
Sechzig Jahre später kehrte sie mit einem abendfüllenden Programm zurück. «Das Publikum gibt mir so viel», sagte sie. Für Mathieu ist ein Konzert bis heute eine Begegnung, keine Routine. Zum Jubiläum kamen Fans aus Deutschland, Skandinavien, Kanada, Brasilien, Mexiko und vielen weiteren Ländern.
Die Zahlen hinter ihrer Karriere sind beeindruckend: Mehr als 1.200 Lieder hat Mathieu in zwölf Sprachen aufgenommen, mehr als 3.000 Konzerte weltweit gegeben.
Der Spatz, der Deutschland eroberte
Ihre Karriere versteht sie vor allem als Reise durch Kulturen. «Mein Beruf hat mir ermöglicht, verschiedene Kulturen kennenzulernen», sagt sie. Genau darin liege das größte Geschenk.
Besonders eng ist ihre Verbindung zu Deutschland. Hier wurde sie zum «Spatz von Avignon» - ein Spitzname, der auf ihre Heimatstadt Avignon in der Provence verweist und ihre zierliche Gestalt mit ihrer außergewöhnlichen Stimme verbindet. Hier sang sie ihre ersten großen deutschen Erfolge wie «Hinter den Kulissen von Paris» und «Akropolis Adieu».