Es ist der Startschuss für eine globale Welle mit der Dynamik der Internetkultur.
Plötzlich posten auch US-Stars wie Lizzo, Doja Cat und Wiz Khalifa Videos, unterlegt mit den deutschen Wörtern «Du bist gut genug». «Das ist natürlich schon relativ wild, ne? Das ist schon sehr lustig», sagt Erkes ungläubig.
Und es kommt noch besser: Da die amerikanische Internetwelt den deutschen Text nicht kennt, versteht sie einen Kauderwelsch aus den Wörtern «Doobie Scoot Canoe». Diese lautmalerische Umdeutung wird auf TikTok und Instagram zu einem weiteren Meme. Die Welle rollt daraufhin zurück nach Deutschland.
«Es hat einen großen Einfluss heutzutage in dieser Internetkultur, was die Ami-Influencer und Kids so machen. Und dann ist es hier auf einmal überall gewesen, auch auf den Schulhöfen. Dann haben wir gespürt, dass der Hype das Internet verlässt und in der realen Welt angekommen ist», erklärt Meyerholz.
Ein Song, der Sprachgrenzen überwindet
Dass Sprache dabei keine Rolle spielt, verzückt die Macher. «Es ist halt geil zu erfahren, dass diese Emotion, die in etwas steckt, über eine Sprachbarriere hinausgehen kann. Die können ja genug andere Lieder hören, aber entscheiden sich für dieses, weil sie anscheinend etwas fühlen dabei», sagt Erkes. «Es ist mal wieder eine Bestätigung dafür, dass gute Musik und gute Lieder ihren Weg finden. Man weiß nicht, wo und wann, aber sie finden eigentlich immer ihren Weg.»
Der Erfolg basiert nicht nur auf einem wiedererkennbaren und eingängigen Sound, für den KitschKrieg längst über deutsche Grenzen hinaus bekannt sind. Die Botschaft trifft einen Nerv. Es geht um Selbstzweifel, um Akzeptanz, um das Gefühl, trotz aller Unsicherheiten ausreichend zu sein. Gerade in einer Zeit globaler Krisen entfaltet das offensichtlich eine Wirkung. «Die Leute haben halt jetzt Lust, etwas Schönes zu erleben und ein bisschen Trost zu bekommen», findet Meyerholz.
Diesen Hype spürt vor allem Blumengarten-Sänger Djima, der das Gesicht und die Stimme des «Gut genug»-Memes ist. Auch die beiden Musiker aus Velbert in Nordrhein-Westfalen halten sich derzeit in den USA auf, um dort den Song weiter zu promoten. Djima wird dabei ziemlich oft erkannt und angesprochen.
So erreicht «Gut genug» die Fußball-WM
KitschKrieg, die sämtliche Fotos und Videos von sich aus künstlerischen Gründen in Schwarz-Weiß anfertigen lassen, haben in New York mehrere Internet-Formate gedreht und sogar Interviews für das norwegische Fernsehen gegeben. Denn der Songschnipsel wird derzeit von vielen Fußballfans mitgesungen, die in ihrer Landessprache so etwas verstehen wie «Noch ein Tor, Norwegen». Auch die brasilianische Nationalelf und mehrere DFB-Spieler haben bereits Clips mit dem Song aus Deutschland unterlegt.
«Die WM ist natürlich jetzt gerade offensichtlich das wahrscheinlich medial größte Event der Welt. Da ist es natürlich ein perfektes Timing, in diesem Moment mit einem Song viral zu gehen, der auch weltweit relevant ist», sagt Erkes.
In New York und Los Angeles basteln die beiden derzeit an einem US-Remix des viralen Hits. Sie hoffen, dafür den ein oder anderen US-Star zu gewinnen, was nicht sonderlich schwer werden dürfte. Die Zahlen sprechen jedenfalls für sich.
Ein historischer Erfolg in den US-Charts
Der Song schaffte gerade mit Platz 129 den Sprung in die Global-200-Charts des US-amerikanischen Musikmagazins Billboard. Laut Plattenfirma Sony ist dies in diesem Jahrtausend noch keinem deutschen Song gelungen und vorher nur wenigen deutschsprachigen Acts wie Nena («99 Luftballons»), Falco («Rock Me Amadeus»), Kraftwerk («Autobahn») oder Ivo Robić («Morgen»).
In Deutschland steht «Gut genug» seit zwei Wochen auf Platz Eins und diesen Rang belegte er auch in den weltweiten Charts der Audioanalyse-App Shazam. Mit dem Dienst können Musikfans für sie unbekannte Lieder, die in Ihrer Umgebung oder in Apps wie TikTok, Instagram oder YouTube laufen, innerhalb weniger Sekunden erkennen.
Der Hype um «Doobie Scoot Canoe» geht also weiter. Memes, Fan-Versionen und neue Bedeutungen entstehen quasi im Sekundentakt. «Gut genug» ist damit mehr als ein Sommerhit (der übrigens schon für den Januar geplant war). Es ist ein Beispiel dafür, wie Musik heute funktioniert: global, emotional und unvorhersehbar.