Die Dankesworte der Britin Joan Fontaine hingegen vergaß man in dem Moment, als ihre Schwester Olivia de Havilland auf die Bühne stürzte. Die war 1942 auch für den Oscar nominiert und mit Fontaine zerstritten. Nun beeilte sich die Unterlegene, als Erste zu gratulieren. Doch den Trost, vor Publikum das Gesicht wahren zu dürfen, gönnte Fontaine der Schwester nicht.
Diese Stars (und Familien) gewannen gleich mehrfach
Nur eine Familie schaffte es, in drei Generationen Oscar-Gewinner hervorzubringen - die Hustons. Walter Huston bekam 1948 für seine Nebenrolle in "Der Schatz der Sierra Madre" den Oscar, sein Sohn John erhielt für das Drama den Regie-Oscar. 1986 wurde Johns Tochter Anjelica für ihre Nebenrolle in "Die Ehre der Prizzis" ausgezeichnet. Der Erfolg liegt auch bei Liza Minnelli in der Familie: Sie ist die einzige Oscar-Gewinnerin, deren Eltern, Judy Garland und Vincente Minnelli, ebenfalls mit dem Academy Award ausgezeichnet wurden.
Tom Hanks bekam 1993 für seine Rolle als Aids-kranker Anwalt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Im Jahr darauf durfte er als "Forrest Gump" erneut den Preis mit nach Hause nehmen. Vor Hanks schaffte nur ein Schauspieler die Titelverteidigung: Spencer Tracy, der 1938 und 1939 gewann: Bei seiner ersten Preisverleihung staunte er nicht schlecht, als er den Oscar bekam - und darauf "Dick Tracy" eingraviert war, der Name eines populären Comic-Helden. Den Preis gab er zwecks Berichtigung zurück und sorgte dafür, dass die kleinen Statuen fortan erst nach der Verleihung graviert werden.
Zwei "literarische" Legenden, die von zwei berühmten Akademien ausgezeichnet wurden: George Bernard Shaw gewann den Literatur-Nobelpreis 1925 und 1938 den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch (nach seinem eigenen Roman "Pygmalion"). Bob Dylan holte 2000 den Oscar für seinen Song "Things Have Changed" und 2016 ebenfalls den Literatur-Nobelpreis. Auch Laurence Olivier ("Hamlet") und Roberto Benigni ("Das Leben ist schön") gewannen doppelt: Sie sind die bislang einzigen Künstler, die in Filmen als beste Schauspieler ausgezeichnet wurden, bei denen sie selbst Regie geführt haben.
Erst Gewinner, dann Verlierer
"And the Oscar goes to ... 'La La Land'" - NICHT! Laudator Warren Beatty hatte 2017 den Musicalfilm bereits in der Kategorie "Bester Film" zum Gewinner ausgerufen und die überglückliche Crew bei sich auf der Bühne, als er zurückgepfiffen wurde. Denn eigentlich hatte die Academy "Moonlight" zum besten Film gewählt. "La La Land" gewann schließlich "nur" sechs Oscars. Nebenbei stellte das Musical noch einen Rekord auf: Zuvor wurde noch kein Film, der 14-mal nominiert wurde, nicht als "Bester Film" ausgezeichnet.
Sieben Oscar-Gewinner wurden für besonders schlechte Schauspielleistungen mit der "Goldenen Himbeere" ausgezeichnet: Roberto Benigni, Liza Minnelli, Laurence Olivier, Charlton Heston, Faye Dunaway, Halle Berry und Sandra Bullock. Letztere bewies Humor: Ihren "Razzie" 2010 für "Verrückt nach Steve" holte die Schauspielerin persönlich ab.
Bis 1961 verlieh die Academy den sogenannten "Juvenile Award", einen unregelmäßig verliehenen Sonderpreis, der an minderjährige Darsteller ging. Die erste Preisträgerin des Miniatur-Oscars ist bis heute die jüngste Preisträgerin aller Zeiten: Shirley Temple war gerade mal sechs Jahre alt, als sie 1934 die Trophäe entgegennahm. James Ivory gewann 2019 den Preis für das beste adaptiertes Drehbuch für "Call Me By Your Name". Mit 89 Jahren darf er sich nun den ältesten Oscar-Gewinner aller Zeiten nennen.
Jennifer Lawrence war mit 23 Jahren die jüngste Kandidatin, die schon einen Strauß aus drei Oscar-Nominierungen in den Händen halten konnte - für "Winter's Bone", "Silver Linings" (hier gewann sie die Auszeichnung sogar) und "American Hustle". Für ihre Hauptrolle in "Joy" stand sie 2016 bereits zum vierten Mal auf der Vorschlagsliste für den Oscar. Judi Dench hingegen musste lange warten: Ihre sieben Oscar-Nominierungen bekam Schauspielerin Judi Dench erst, nachdem sie ihren 63. Geburtstag gefeiert hatte. Für "Shakespeare In Love" (1998) gewann sie zum bislang einzigen Mal die Auszeichnung - als "Beste Nebendarstellerin".
Auch echte Legenden können beim Oscar verlieren
Acht Nominierungen, aber noch keinen Oscar: Das ist die bislang enttäuschende Bilanz von Glenn Close. Sie ist damit auch die Schauspielerin, die bislang am häufigsten "übersehen" wurde. Close, aber auch alle, die lange schon vergeblich auf eine Auszeichnung warten, könnten bei Kevin O'Connell nachfragen, wie man mit Oscar-Niederlagen umgeht: Der Sound-Mixer wurde seit 1984 insgesamt 21-mal nominiert, bevor er 2017 für "Hacksaw Ridge" endlich seinen ersten Academy Award gewann.
Selbst später anerkannte Preisträger und unstrittige Regie-Legenden sind vor einem Totalflop bei den Oscars nicht gefeit: 1986 ging Steven Spielbergs Südstaatendrama "Die Farbe Lila" leer aus - trotz elf Nominierungen. Falls Spielberg mal wieder einen (Gewinner-)Stoff suchen sollte: Shakespeares "Romeo und Julia" war - in unterschiedlichen Umsetzungen, "Shakespeare In Love" mitgerechnet - schon vier Mal als "Bester Film" nominiert. Gewinnen konnte bislang nur die Musical-Verfilmung "West Side Story", deren Story auch auf dem Theater-Klassiker beruht.
Mehr Oscars hatte niemand
Der Mann mit den meisten Oscar-Trophäen war William Fulgear 2000: Er hatte 52 in Styropor und Plastik eingehüllte Trophäen aus einem Müllcontainer gefischt, nachdem sie zuvor gestohlen worden waren. Für die Rückgabe bekam er nicht nur einen 50.000 Dollar Finderlohn, sondern auch eine Einladung zur Preisverleihung und eine paar nette Danksagungen der Stars.
Quelle: teleschau – der mediendienst