Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottieren das Großereignis, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen - und nicht an einem Wettbewerb teilnehmen wollen, bei dem Israel vertreten ist. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker der islamistischen Hamas und anderer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.
Deutschland – und Gastgeber Österreich – hatten dagegen nie Zweifel aufkommen lassen, dass sie teilnehmen werden und Israel willkommen ist. Deutschlands Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat sogar angekündigt, beim ESC dabei zu sein. Er sei sehr froh, dass Israel singen dürfe und fahre deshalb nach Wien, um sich auch den israelischen Sänger anzuhören. Bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Wien machte er ein Selfie mit Engels.
Demonstrationen und Sicherheitsvorkehrungen
In Wien wurden mehrere Demonstrationen angemeldet, meist aus dem propalästinensischen Umfeld. Die Polizei rechnet auch mit spontanen Blockade- und Störaktionen. Rund um den Austragungsort des ESC-Finales, die Wiener Stadthalle, sind solche Aktionen allerdings kaum möglich. Die Absperrungen sind weiträumig, Platzverbote können jederzeit ausgesprochen werden.
Die Stadthalle, das sogenannte ESC-Village vor dem Rathaus oder auch Österreichs größte Diskothek im Prater, wo die After-Show-Partys steigen, sind nur nach Sicherheits-Checks zugänglich. Taschen sind nicht erlaubt. 16.000 Menschen, die mit dem Event zu tun haben, wurden von der Polizei überprüft. Im Umkreis der Veranstaltungsorte herrscht zudem ein Drohnen-Flugverbot.
Die Favoriten
Glaubt man den Wettanbietern, gibt es seit Wochen so etwas wie einen Favoriten: Finnland. Es schickt ein Duo ins Rennen. Klassikmusikerin Linda Lampenius spielt Geige, der 20 Jahre jüngere Popstar Pete Parkkonen singt dazu vor einem brennenden Beichtstuhl. Würde das Duo tatsächlich gewinnen, wäre es der erste finnische Sieg seit Lordi. Die kultige Monster-Band hatte 2006 mit Gruselkostümen und dem Song «Hard Rock Hallelujah» halb Europa geschockt.
«Finnland schickt einen wirklich starken Beitrag - und das auch noch in Landessprache», sagte ESC-Kommentator Thorsten Schorn der Deutschen Presse-Agentur. «Die Frage ist nur, ob zum dritten Mal in Folge ein Song mit Klassikelementen gewinnen kann.»
Der Titel «Liekinheitin» heißt übersetzt Flammenwerfer - und konkurriert damit pyrotechnisch direkt mit dem deutschen Beitrag «Fire» von Engels. Bei den Probedurchläufen loderten Flammen hier und dort. «Allein diese beiden Songs machen die Hallenheizung überflüssig», sagte Schorn.
Als weitere Favoriten werden auch Australien, Griechenland, Israel, Dänemark, Frankreich, Italien und Bulgarien gehandelt - und Rumänien. Das Land schickt den wohl umstrittensten Beitrag nach Wien. Sängerin Alexandra Căpitănescu präsentiert den Fetisch-Song «Choke me», also «Würg mich».
Mit dem Sieg sei es heutzutage so eine Sache, wurde der deutsche ESC-Altmeister Ralph Siegel («Ein bisschen Frieden») vergangene Woche von der «Welt am Sonntag» zitiert: «Jetzt hören Sie die Songs Wochen, teilweise Monate vorher. Diese Vor-Promotion führt den Wettbewerb eigentlich ad absurdum.» Fangruppen und Wettbüros entschieden quasi vorab. «Früher haben die Leute den Song erst am Abend erlebt und dann entschieden. Heute sind sie schon vorher beeinflusst.»
Die Regeln
Für den ESC 2026 wurden die Regeln angepasst. Neu war etwa, dass in den Halbfinalen (bei denen insgesamt zehn Länder rausgewählt wurden, darunter San Marino mit Senhit und Weltstar Boy George) über das Weiterkommen nicht mehr allein das Publikum entschied. Die Hälfte der Punkte vergaben wieder die nationalen Jurys – ein Regelwerk, das zuletzt nur im Finale gegolten hatte.
Außerdem: Die maximale Anzahl der Stimmen des Publikums via App, SMS und Anruf wurde von 20 auf 10 reduziert. Damit reagierte die Europäische Rundfunkunion (EBU) auf das Ergebnis des ESC 2025. Vor einem Jahr hatte die israelische Sängerin Yuval Raphael dank eines überwältigenden Publikums-Votings Platz zwei errungen. Es gab Vermutungen, dass dem Ergebnis eine strategische Mobilisierung der Zuschauer und Zuschauerinnen zugunsten Israels zugrunde lag.