Italien ist einiges an Promi-Hochzeiten gewöhnt. Statt in Venedig machen die Sängerin und der Schauspieler aber Party in Palermo - eine Stadt, die viele mit Anderem verbinden. Das sorgt für Ärger.
Popstar Dua Lipa und der Schauspieler Callum Turner haben sich auch durch Vorwürfe einer «Mafia-Chic»-Hochzeit vom Feiern nicht abbringen lassen: Mit mehr als 200 Gästen machte das Promi-Paar aus London Siziliens Hauptstadt Palermo und Umgebung ein Wochenende lang zur meistbeachteten Party-Location. Unter den Gästen war auch Elton John. Für Empörung sorgte auf der italienischen Insel, dass einige britische Zeitungen die Feier zum Anlass nahmen, Siziliens Mafia-Geschichte herauszustellen.
Die 30-jährige Dua Lipa («Don't Start Now», «Houdini») und der sechs Jahre ältere Turner («Die Jungs im Boot», «Phantastische Tierwesen») sind seit 2024 ein Paar. Die Hochzeit soll bereits am Sonntag vergangener Woche in kleinem Kreis im alten Rathaus des Londoner Stadtteils Marylebone stattgefunden haben. Turner wird auch immer wieder als einer der Kandidaten für die Rolle des nächsten James Bond gehandelt.
Palermo als eine Art Filmkulisse
Wie zuvor schon andere prominente Paare entschieden sich die beiden für eine Hochzeitsparty in Italien - allerdings nicht in Venedig, einem klassischen Ziel für solche Gelegenheiten, sondern in Palermo. Die Stadt ist bislang eher als Drehort von Filmklassikern wie dem Mafia-Epos «Der Pate» oder «Der Leopard» bekannt. Für den Auftakt am Freitagabend wurden einige Straßenzüge mit Oldtimern in eine Art Filmkulisse verwandelt.
Dua Lipa erschien in einem Kleid mit tiefem Ausschnitt am Rücken, ganz in weiß. Mit Turner - beiger Anzug, weißes Hemd, ohne Krawatte - tanzte sie unter freiem Himmel. Die beiden ließen sich auch durch Paparazzi nicht stören: Entspannt begrüßten sie Freunde und Familie, darunter andere Prominente wie Modeschöpferin Donatella Versace oder die Sängerinnen Charli xcx und Olivia Dean.
Bürgermeister beklagt sich über alte Klischees
Die britische Boulevardpresse bejubelte die «Hochzeit des Jahres». Allerdings wiesen einige Londoner Zeitungen auch darauf hin, dass Palermo eine Vergangenheit als Mafia-Hochburg habe. Die «Sun» warf den Promis vor, Gefallen an einer Hochzeit im «Mafia-Chic» zu finden. Der «Telegraph» betitelte einen der Veranstaltungsorte gar als «Mafia-Nest» - und machte erst nach Protesten aus Sizilien ein «ehemaliges Mafia-Nest» daraus.
Auf der Insel lösten die Berichte Empörung aus. Palermos Bürgermeister Roberto Lagalla beschwerte sich: «Wieder einmal erleben wir den Rückgriff auf ein ebenso überstrapaziertes wie ungerechtes Klischee, das eine komplexe, moderne und dynamische Region auf eine simple und beleidigende Darstellung reduziert.» Auch im Internet empörten sich viele Sizilianer über die Berichte.
Feiern in prächtiger Villa mit Elton John
In der 630.000-Einwohner-Stadt ist immer noch viel von der Mafia die Rede, obwohl deren Einfluss durch ein härteres Vorgehen des Staates erheblich zurückgegangen ist. 1992 wurden die Mafia-Gegner Giovanni Falcone und Paolo Borsellino bei Anschlägen ermordet. Heute gibt es in Palermo «Anti-Mafia-Touren» zu Geschäften, die kein Schutzgeld mehr zahlen. Zugleich sind Mafia-Souvenirs für ausländische Touristen weiterhin beliebte Mitbringsel.