Fernsehen statt Fußball
Nach dem Fußball beginnt für den «Überlebenskünstler» mit Fachabi ein neues Kapitel. Eines, das in der Eifel zunächst belächelt wird: Reality-TV. «Der macht sich doch zum Affen», hieß es hinter vorgehaltener Hand im Heimatort. In Formaten wie «Couple Challenge», «Are You The One», «Germany Shore» oder «The 50» wird Schüler erstmals sichtbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern verzichtet er auf inszenierten Streit oder Liebes-Skandale.
Parallel macht er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Doch eine andere Leidenschaft hat sich da längst angebahnt. Seit seiner ersten Mallorca-Reise mit der U21 des 1. FC Köln, die er spontan um einen Tag verlängerte, lässt ihn der Ballermann nicht mehr los. Aus dem disziplinierten Nachwuchsspieler wird jemand, der auf Tischen steht. Ein «Spaßvogel», der auffällt.
Freunde bringen ihn deshalb auf die Idee, sich auf die Bühne zu stellen. «Ich habe gesagt, ich kann doch gar nicht singen.» Die Antwort: «Egal.» Ein guter Freund von Schüler nimmt Kontakt zu Produzent Michael Rötgens von Xtreme Sound auf. Eine ZDF-Doku zeigt 2024 die ersten Schritte als Micha Schue. «Ein spannender Kandidat», sagt Rötgens damals. Auch, weil er die vielen Hobby-Kicker, die am Ballermann feiern, mit seiner Vergangenheit anspricht.
Schüler wird ins Studio gestellt – ohne große Vorbereitung. «Ich dachte, ich schieße durch die Decke», sagt er heute. Doch sein erster Song «Die ganze Herde auf Safari» wird kein Hit. Der Durchbruch kommt einen Sommer später mit «Sternhagelvoll». Plötzlich wird der Ex-Fußballer einer der Newcomer der Saison. Auf Reality-TV will er vorerst verzichten.
Das haben Partyschlager und Profifußball gemeinsam
Doch auch am Ballermann herrscht - wie im Fußball - ein großer Konkurrenzkampf und Verdrängungswettbewerb. Viele wollen spielen. Nur wenige bekommen die Bühne. Im Fußball gibt es allerdings mehr Mannschaften, auf die sich die Spieler verteilen können. «Am Ballermann hast du im Grunde nur den Bierkönig oder den Megapark.»
Im dritten Jahr als Partysänger singt Micha Schue im Duett mit Ballermann-Urgestein Lorenz Büffel («Immer viel trinken») und tritt im Schnitt einmal pro Woche im Bierkönig auf. Dazu kommen Auftritte in Deutschland und am Goldstrand in Bulgarien. 35 Minuten Show. Kürzer als eine Halbzeit.
Mit seiner ungewöhnlichen Lebensgeschichte wolle er Jüngeren etwas mitgeben. «Du musst nicht immer diesen normalen Weg gehen: Schule, Ausbildung, Studium, Job. Nee, das Leben hat so viel mehr für dich bereitstehen.» Man solle das machen, worauf man Lust hat. «Du lebst nicht ein Leben Anderer.»
Trikot-Song ist Herzensangelegenheit
«In den Farben getrennt, in der Sache vereint», singt der frühere Verteidiger in seinem aktuellen WM-Song und animiert zum Trikottausch. Der Ballermann stehe für Zusammenhalt, Fans aller Mannschaften würden größtenteils friedlich zusammen feiern. Schüler tritt stets im Trikot auf, verkauft sie sogar online. Fußball bleibt Teil seiner Identität.
«Ich habe noch nie eine WM miterlebt als Gast oder Künstler. Deswegen ist es für mich auch jetzt das erste Mal, das ist einfach ein besonderes Ding. Gerade auch als Ex-Fußballer.»
Sein Song schließt einen Kreis. Vom Nachwuchsspieler auf dem Platz zum Entertainer auf der Bühne. «Das ist eine Herzensangelegenheit», sagt er.
Ob Hit oder nicht, sei zweitrangig.