Das war schon vor 50 Jahren so, als «Rocky» in die Kinos kam (derzeit etwa bei Joyn zu streamen). Der Aufstieg von Rocky Balboa, gespielt von Sylvester Stallone, von den Armenvierteln Philadelphias in den WM-Ring. 1977 gewann der Streifen drei Oscars, unter anderem den für den besten Film.
Wenn das Ende bekannt ist: der Nostalgie-Faktor
«Rocky» war Fiktion. «F1 – The Movie» mit Pitt in der Hauptrolle ist Fiktion (bei Apple TV zu streamen), wenngleich Aufnahmen für den bisher erfolgreichsten Blockbuster des Oscar-Preisträgers auch original an Rennwochenenden der Formel 1 gedreht wurden. Eine Fortsetzung auch mit Mitproduzent und Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton ist in Planung.
Aber was ist eigentlich, wenn das Ende der Story bekannt ist, weit bevor die letzten Minuten des Films oder der Serie laufen?
Non‑Fiction‑Formate und Doku‑Serien würden den Blick «jenseits des Spielfelds» eröffnen, erklärt ein Netflix-Sprecher: Reichhaltige Hintergrundgeschichten, die die ganze Bandbreite der Emotionen abdecken – Ehrgeiz, Rückschläge, Neuanfänge, Vermächtnis. Sport sei in vielerlei Hinsicht die ultimative «Seifenoper»: echte Menschen, echte Kämpfe, echte Erfolge.
Filmwissenschaftler Fahle betont das nostalgische Element. Gerade wenn es um die Vergangenheit gehe, werde diese aufgewertet - nach dem Prinzip ehrliche Wettkämpfe in einer besseren Welt. «Konflikte waren da, aber da sich der Erfolg ja eingestellt hat, waren alle Schmerzen und Probleme richtig und gut bei der Heldenreise.»
Die gibt es garniert mit reichlich Humor auch bei «Next Goal Wins» (in der Flatrate bei Disney+ im Programm) mit dem deutschen Hollywoodstar Michael Fassbender als Coach Thomas Rongen. Er tritt notgedrungen - die Alternative wäre kein Job zu haben - den Posten als Fußball-Nationaltrainer von Amerikanisch-Samoa an.
0:31 Tore - in einem Spiel
Noch heute hält die Nationalmannschaft einen Fußball-Rekord, mit dem sich aber keiner schmücken will: 2001 unterlag das Team in der WM-Qualifikation Australien mit 0:31 - die höchste Niederlage. «Man kann getrost sagen: Ihr habt null Talent oder Ahnung von dem Spiel», sagt der Coach Rongen bei seinem Amtsantritt auf einem Klappstuhl mit Kaltgetränk in der Hand.
Tatsächlich hieß der Trainer, der zehn Jahre nach der krachenden Niederlage das Team übernommen hatte, Thomas Rongen. Der Niederländer, der auch eine amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte das Team sogar zu einem Sieg gegen Tonga in der Qualifikation zur WM 2014 geführt.
«Ein Sportfilm nutzt meistens den Sport und seine Faszination, aber der Sport passt sich dem Film an, nicht umgekehrt», sagt Experte Fahle. «Selten geht es wirklich um den Sport und seine Eigenheiten, sondern um die Charaktere, ihre Erziehung, ihre Werte, wie sie mit Niederlagen umgehen, welche Emotionen im Spiel sind oder waren.» Der Sport als Vorlagengeber für den Film.