Dass ausgerechnet die ARD in Deutschland nun mit einem Vertical startet, hat einen klaren Grund. Man will junge Leute gewinnen, denn der Großteil des Publikums der Öffentlich-Rechtlichen befindet sich im Rentenalter.
Die ARD will Teens und Twens (zurück-)gewinnen
«Wir glauben, dass wir damit die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen gut ansprechen können, also Menschen in einem Alter, die unser Programm nicht so oft schauen», sagt die Leiterin Fiktion und Unterhaltung von Radio Bremen, Annette Strelow, der Nachrichtenagentur dpa. Inhaltlich wolle man ein höheres Niveau bieten als viele andere bisherige Produktionen dieser Art.
Neben der Unterstützung von den Influencern Blond Minh und Feng Yi Lu soll es TikTok «quasi allein» hinbekommen, dass die junge Community auf «Between the Beats» überhaupt aufmerksam wird.
Der Algorithmus der Plattform bewertet und rankt Inhalte hauptsächlich über die bereits vorhandenen Nutzerdaten, um dann der Nutzerschaft wieder entsprechend individuelle Angebote zu unterbreiten.
Überhaupt dürften die Kurzform-Videos wohl die ersten fiktionalen Inhalte sein, bei denen Künstliche Intelligenz und Algorithmen für Konzeption und Produktion entscheidend zum Einsatz kommen: zum Beispiel, wenn es um die Synchronisation, Dramatisierung oder die Verschlagwortung geht.
Begriffe wie «Milliardär», «Boss», «Heirat», «Geheimnisse» oder «Betrug» sind in den meisten der Titel enthalten, weil dann das Interesse an den entsprechenden Angeboten besonders hoch ist.
Ganz neue Logik, was die Vermarktung von Inhalten angeht
Bei diesem Genre kommen Technologie und Fiction zusammen, analysiert Gregor Sauter die Situation. «Alles hat mit den Daten zu tun, die von Menschen kommen», sagt Sauter der dpa. Er ist Chef der Produktionsfirma Red Pony, bei der auch «Between the Beats» entstand.
Verticals seien eine Infrastruktur, betont er – und das mit einer komplett entgegengesetzten «Plattform-Logik» zu den herkömmlichen Geschäftsmodellen großer Medienkonzerne. Diese versuchten bislang zuerst, erfolgreiche Inhalte-Marken zu schaffen, um diese dann über die verschiedensten Kanäle zu distribuieren.
Der Unterhaltungsriese Disney nutzt das neue Genre allerdings jetzt auch, um Kurzfassungen bereits bekannter Serien im Social-Media-Universum zu verbreiten.
Für Sauter jedenfalls ist klar: Streaming und Social Media sind dabei, das klassische Fernsehen zu ersetzen. Dennoch sieht er Unterschiede zum Markt in Asien oder Amerika: «In Europa werden wohl eher anspruchsvollere Inhalte erfolgreich sein, aber auch hier müssen wir zuerst die Daten verstehen.»
Fakt ist: Derzeit denken viele Sender und Streamer in Deutschland darüber nach, ob und wie sie Kurzform-Inhalte in ihre Angebote einbinden können. Das Fernsehen einer neuen Generation.