In Deutschland setzten etwa 11.000 schwer kranke Menschen ihre Hoffnung in die Transplantation eines Organs: Eine neue Leber oder Niere könnte ihr Leben retten. Doch das System von Organspende und Transplantation wurde durch die 2012 bekannt gewordenen Manipulationen an Daten von Wartelistenpatienten beschädigt - es kam zu einem Vertrauensverlust und massivem Rückgang der Organspendezahlen. Kann man dem System mittlerweile wieder trauen? Diese und alle anderen Fragen zum Thema Organspende beantworten zwei Experten bei unserer Telefonaktion am Dienstag, 14. Januar, von 16 bis 18 Uhr.

Arne Lenz und Clemens Haberer sind Transplantationsbeauftragte am Bamberger Klinikum. Dort arbeiten sie eng mit der gemeinnützigen Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), der Koordinierungsstelle für Organspenden, zusammen. Am Dienstag, 21. Januar, veranstalten Lenz und Haberer im Bamberger Klinikum (Raum Residenz, 19 Uhr) gemeinsam mit der DSO einen Infoabend zum Thema Organspende. Vorher stehen sie bei der Telefonaktion dieser Zeitung unseren Lesern Rede und Antwort.

Diagnose Hirntod

Aus ihrer täglichen Arbeit kennen die Mediziner einerseits natürlich die Notwendigkeit der Organspende, andererseits mögliche Vorbehalte potenzieller Spender. Allen voran den Zweifel: Kann der Hirntod wirklich zweifelsfrei festgestellt werden, ehe Organe entnommen werden? "Die Diagnose Hirntod bedeutet, dass nachweislich die Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm irreversibel erloschen sind", erklären Lenz und Haberer. "Gemäß dem Transplantationsgesetz stellen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod fest. Sie führen die Diagnostik nach den Richtlinien der Bundesärztekammer durch."

Eine Organspende ist in jedem Krankenhaus mit Intensivstation durchführbar. So früh es geht, erfolgt die Kontaktaufnahme zur DSO. Eine telefonische Abstimmung mit einem Koordinator der Stiftung klärt die rechtlichen und medizinischen Voraussetzungen für eine mögliche Spende.

In Deutschland ist eine Organspende nur mit einer Einwilligung möglich. Hat der Verstorbene zu Lebzeiten keine eigene Entscheidung getroffen und zum Beispiel in einem Organspendeausweis dokumentiert, werden die nächsten Angehörigen um eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen gebeten. Da viele Menschen zu Lebzeiten keine eigene Entscheidung fällen, ist das Gespräch mit den Angehörigen häufig die Voraussetzung für eine Organspende.

Vermittlung über Eurotransplant

Für die Vermittlung der Spenderorgane an passende Empfänger müssen umfangreiche medizinische Daten des Verstorbenen erfasst werden. Die Koordinatoren senden die Laborwerte mit weiteren Angaben zum Spender an die Vermittlungsstelle Euro transplant. Ein spezielles Computerprogramm gleicht dort die Daten der Spenderorgane mit denen der Wartelistenpatienten ab und ermittelt die Empfänger.

Die Vergabe richtet sich nach Angaben der DSO ausschließlich nach medizinischen Kriterien. Im Vordergrund stehen die Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht.

Der Transport von Spenderorganen muss schnell, sorgfältig und medizinisch einwandfrei geschehen. Die Funktion des Transplantats und damit das Überleben des Organempfängers hängen unmittelbar davon ab. "Einige Organe lassen sich nur für kurze Zeit konservieren. Es kommt auf jede Minute an", erklären Lenz und Haberer.
Die DSO koordiniert diese Logistik und stellt den reibungslosen Ablauf sicher. Wenn die Angehörigen es wünschen, können sie in anonymer Form über die Transplantation der gespendeten Organe informiert und zu Angehörigentreffen eingeladen werden.

Trotz der festgelegten und beschriebenen Abläufe bleiben Unsicherheiten bestehen, Fragen offen. Antworten darauf gibt es bei unserer Telefonaktion am Dienstag, 14. Januar, von 16 bis 18 Uhr. Die Anrufe sind kostenlos (Ortstarif).


Das sind die Experten unserer Telefonaktion

Dr. Arne Lenz
ist Oberarzt Neurologie und Transplantationsbeauftragter für die internistischen Kliniken/Neurologie im Bamberger Klinikum. Bei unserer Telefonaktion am Dienstag, 14. Januar, ist er von 16 bis 18 Uhr unter der Durchwahl 0951/188-381 zu erreichen.

Clemens Haberer
ist Oberarzt Anästhesie und Transplantationsbeauftragter für die operativen Kliniken am Bamberger Klinikum. Bei unserer Telefonaktion am 14. Januar beantwortet er von 16 bis 18 Uhr alle Fragen zur Organspende unter 0951/188-383.