Bei der Geiselnahme in einem Supermarkt in Südfrankreich sind drei Menschen getötet worden. Die Identität des jungen Angreifers ist bekannt.
Update 23.03.2018, 19:21 Uhr: Anzahl der Toten und Verletzten und Identität des Täters bekanntMit einer tödlichen Geiselnahme in einem Supermarkt ist der Terror nach Frankreich zurückgekehrt. Ein junger Angreifer tötete am Freitag bei mehreren Attacken in der Region Carcassonne im Süden des Landes insgesamt drei Menschen, 16 weitere wurden verletzt.Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus sowie wegen Freiheitsberaubung ein.
Ein Mensch wurde wohl schon vor dem Eintreffen im Supermarkt getötet
Vor der Geiselnahme im 5500-Einwohner-Ort Trèbes brachte der Täter nach Angaben von Innenminister Gérard Collomb ein Auto in seine Gewalt. Einer der Insassen sei dabei getötet, der andere schwer verletzt worden. Dann sei er Bereitschaftspolizisten begegnet, die gerade vom Joggen zurückkamen - er eröffnete das Feuer und verletzte einen Beamten an der Schulter. Danach sei der Angreifer nach Trèbes gefahren, habe den Supermarkt betreten, sofort geschossen und zwei weitere Menschen getötet. "Niemand hätte je gedacht, dass es hier einen Anschlag geben könnte", sagte Collomb über den kleinen Ort.
Wer war der junge Angreifer?
Der Mann hat laut dem Minister allein gehandelt. Es handele sich um Redouane Lakdim, der wegen Drogenbesitzes und -handels polizeibekannt war. "Wir haben ihn beobachtet. Wir dachten, dass es keine Radikalisierung gibt. Er ist plötzlich zur Tat geschritten", sagte Collomb. Der Sender Franceinfo berichtete, der Mann sei in einer Datenbank mit Hinweisen zur Vorbeugung von Radikalisierung verzeichnet gewesen. Dies wurde zunächst nicht offiziell bestätigt.
Ein Polizist ließ sich gegen eine Geisel tauschen
Die Geiselnahme hatte gegen 11 Uhr begonnen. Die Polizei riegelte das Gelände ab, Spezialkräfte rückten an. Ein Polizist ließ sich nach Darstellung des Innenministers freiwillig gegen eine Geisel austauschen - und wurde lebensgefährlich verletzt. Collomb sprach von einer Heldentat. "Er hat Leben gerettet", sagte Macron. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen, sagte Collomb. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten.
Ob der Mann zuvor noch weitere Personen in seiner Gewalt hatte, blieb zunächst unklar. Eine Reihe von Menschen konnte nach Zeugenaussagen aus dem Supermarkt fliehen. Das Gebiet wurde abgeriegelt. Weil zunächst unklar war, ob der Mann allein handelte, mussten Schüler in Trèbes und Carcassonnes zunächst in ihren Schulen bleiben.
Was war Hintergrund der Tat?
Der Angreifer sei ein "Soldat des Islamischen Staates", meldete das IS-Sprachrohr Amak. Er habe damit auf Aufrufe reagiert, die "Staaten der Koalition" anzugreifen. Damit ist das internationale Bündnis gemeint, das unter US-Führung in Syrien und im Irak den IS bekämpft. Die Echtheit der Mitteilung ließ sich zunächst nicht bestätigen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle der Terrormiliz verbreitet.
Der Geiselnehmer soll laut Medienberichten die Freilassung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gefordert haben. Das meldeten die Sender BFMTV und France 2 ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu einer Zelle der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete ihre Anteilnahme. "Wir sind natürlich bei den Betroffenen und Angehörigen und sprechen ihnen aus vollem Herzen unsere Anteilnahme aus", sagte sie beim EU-Gipfel in Brüssel. "Wir stehen, wenn es um terroristische Bedrohungen geht, natürlich an der Seite Frankreichs und wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun."
Update 23.03.2018, 16:09 Uhr: IS-Terrormiliz reklamiert Geiselnahme für sichDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Geiselnahme in Frankreich für sich reklamiert. Der Angreifer sei ein "Soldat des Islamischen Staates", meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitag.
Beim gewaltsamen Ende der Geiselnahme in Südfrankreich sind insgesamt drei Polizeibeamte verletzt worden. Der Polizist, der sich gegen eine Geisel hatte austauschen lassen, wurde schwer verletzt. Außerdem seien beim Zugriff zwei weitere Beamte verletzt worden, sagte ein Sprecher der Gendarmerie der Deutschen Presse-Agentur.
Update 23.03.2018, 14.48 Uhr: Geiselnehmer offenbar getötetDer Geiselnehmer in einem Supermarkt in Südfrankreich ist nach Medienberichten tot. Er sei von den Einsatzkräften getötet worden, meldeten die französische Nachrichtenagentur AFP und der Sender "bfmtv" am Freitag unter Berufung auf Ermittlerkreise.
Der getötete Geiselnehmer in war nach Angaben von Präsident Emmanuel Macron allem Anschein nach ein Terrorist. "Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, der sich dort aktuell abspielt", sagte er am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel.
Update 23.03.2018, 12:25 Uhr: Anzahl der Toten und VerletztenBei der Geiselnahme in einem Supermarkt in Südfrankreich sind zwei Menschen getötet worden. Das bestätigte das Pariser Innenministerium am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Bilanz sei vorläufig und könne sich leider noch verschlimmern. Der Polizeieinsatz sei nicht abgeschlossen.
Die Polizei hat den Geiselnehmer von Trèbes laut französischen Medienberichten identifiziert. Wie der Radiosender France Info meldete, ist der Mann den Geheimdiensten bekannt und in einer Datenbank zur Bekämpfung von Terrorismus und Radikalisierung verzeichnet. Die südfranzösische Zeitung "La Dépêche du Midi" berichtete darüber hinaus, der Terrorist sei Marokkaner im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Er sei anhand des Nummernschildes seines Autos identifiziert worden. Den Wagen fanden die Fahnder auf dem Parkplatz des Supermarktes, in dem der Mann am Freitag Geiseln nahm.
Der Geiselnehmer hat sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat berufen. Das meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Carcassonne.
Update 23.02.2018, 12:14 Uhr: Zusammenhang mit Fall von Freitag auf dem Prüfstand
Die Geiselnahme habe gegen 11 Uhr in Trèbes östlich von Carcassonne begonnen. Zuvor habe der Geiselnehmer geschossen. Aus Justizkreisen hieß es, dass die für alle Terrorfälle in Frankreich zuständige Pariser Staatsanwaltschaft sich derzeit noch mit der örtlichen Staatsanwaltschaft von Carcassonne abstimme.
In Carcassonne wurde am Freitag zudem ein Polizist verletzt, als ein Unbekannter das Feuer auf Beamte eröffnete, die gerade vom Jogging zurückkamen. Das bestätigte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt, war zunächst unklar.
Israel hat sich nach der Geiselnahme mit Frankreich solidarisch erklärt. "Ich verurteile den jüngsten Terroranschlag durch einen IS-Terroristen in Frankreich aufs Schärfste", teilte die stellvertretende israelische Außenministerin Zipi Chotoveli am Freitag auf Twitter mit. "Israel und Frankreich teilen die Werte der Freiheit und arbeiten im weltweiten Kampf gegen Terror zusammen."