Schmetterlinge flattern vielleicht nicht mehr im Bauch, wenn man jahrzehntelang mit dem gleichen Partner zusammen ist. Dafür hat die Liebe im Alter andere Qualitäten.
Die Menschen werden heutzutage im Mittel deutlich älter als einst - Paare haben daher gute Chancen, viele Jahrzehnte miteinander zu verbringen. «Alte Liebe rostet nicht», besagt ein Sprichwort. Im Alltag sieht das allerdings oft anders aus. Davon erzählt auch der Film «Alte Liebe» von Andreas Dresen, in dem Lore (Dagmar Manzel) und Harry (Joachim Król) nach rund 40 Ehejahren wieder neu zueinanderfinden wollen. Was weiß die Wissenschaft zu Liebe im Alter?
Im Film pflegen Lore und Harry ihre eigenen Interessen und leben quasi nur noch nebeneinander her. Eine Dynamik, die der emeritierte Altersforscher von der Hochschule Coburg und Paartherapeut Michael Vogt oft beobachtet. «Wenn man immer das Gleiche macht, dann wird es Routine und der Zauber der Liebe wird sich wahrscheinlich verflüchtigen», sagt er. Man stelle einander keine Fragen mehr, weil man meine, die Antwort des anderen bereits zu kennen. Das Interesse für den anderen und die Liebe verebbten.
U-Verlauf der Partnerschaft
Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass langjährige Paare unglücklich zusammen sind. Viele Studien zeigten einen U-Verlauf, sagt Jenna Wünsche vom Deutschen Zentrum für Altersfragen in Berlin. «Die Partnerschaftsqualität nimmt in der Mitte des Lebens ab und dann wieder zu. Es gibt also einen zweiten Frühling.»
Allerdings sei das das Ergebnis von Querschnittsstudien, bei denen Menschen unterschiedlichen Alters befragt wurden, erläutert Wünsche. «Der vermeintliche zweite Frühling kommt oft dadurch zustande, dass es sich um Personen handelt, die neue Beziehungen eingegangen sind und deren Zufriedenheit erst mal höher ist.»
Bei Längsschnittstudien, die die gleichen Menschen wiederholt befragen, zeige sich ein anderes Bild: «Dann sehen wir eher eine steilere Abnahme zu Beginn, was man auf Kinder, vor allem kleine Kinder, zurückführen kann, die die Beziehungszufriedenheit herausfordern», erklärt Wünsche. «Auch in späteren Jahren nimmt die Beziehungszufriedenheit leicht ab, verstetigt sich aber auf einem hohen Niveau.»
Ältere Paare streiten anders
Es kann sich also lohnen, wie Lore und Harry in die Beziehung zu investieren. «Eine Studie aus den USA zeigt, dass ältere Paare eine bessere Konfliktkultur haben», sagt Eva-Marie Kessler, Professorin für Gerontopsychologie an der Medical School Berlin. «Sie gehen mit mehr Wertschätzung, Gelassenheit und Humor in Konfliktsituationen.» Studien, bei denen man streitende Paare beobachtete, hätten zudem ergeben, dass Ältere in Konflikten oft abwarteten, bis sich der andere beruhigt habe, statt einen Streit sofort klären zu wollen.
«Ältere Paare müssen nicht mehr jede Schlacht schlagen», so Wünsche. «Sie haben eine gewisse Expertise füreinander gewonnen und wissen, wie sie effektiv gemeinsam Probleme lösen können. Sie sind sozusagen ein Team darin geworden, Streits zu händeln.»