Warum scheitert die Eindämmung weiterhin?
Nach Angaben der WHO gibt es mittlerweile knapp 950 Betten in Isolations- und Behandlungszentren im Krisengebiet. Während die Einrichtungen in Ituris Nachbarprovinz Nord-Kivu mit 136 Prozent überbelegt sind und Helfer in Ituris Provinzhauptstadt Bunia von Wartezeiten berichten, ist andererseits nach WHO-Angaben in der Provinz Ituri aktuell ein Drittel der Betten frei. «Angesichts der Dynamik der Epidemie und der sehr heterogenen Sicherheitslage vor Ort ist es sehr schwer, rechtzeitig ausreichend Kapazitäten unmittelbar dort zu haben, wo es am dringendsten ist», sagt Charité- und MSF-Arzt Gertler.
Mangelnde Aufklärung und Misstrauen zählen zudem weiterhin zu den größten Problemen. Die Menschen hätten Angst davor, Erkrankte in Behandlungszentren abzugeben, von denen sie nur Gerüchte kennen würden, sagt Gertler. Vielen fehle das Vertrauen in das Gesundheitssystem sowie die Bildung, um Übertragungswege nachvollziehen zu können. Helfer werden immer wieder angegriffen.
Die Sicherheitslage im Osten des zentralafrikanischen Landes ist ein großes Problem. Hunderttausende Vertriebene leben teils seit Jahren in Behelfslagern mit schlechten sanitären Verhältnissen und kaum medizinischer Versorgung. Krankheiten wie Malaria und Cholera, die oft mit ähnlichen Symptomen wie Ebola einhergehen, sind verbreitet. Viele Menschen leiden Hunger und leben in ständiger Furcht vor Massakern oder sexueller Gewalt.
Die Provinzen Nord- und Süd-Kivu werden von Rebellen kontrolliert, die gegen die Regierung und mit ihr verbündete Milizen kämpfen. In Ituri greift die mit der Terrormiliz IS verbündete Rebellengruppe ADF Dörfer an. In diesem Jahr wurden der Konfliktdatenorganisation Acled zufolge mindestens rund 1.100 Zivilisten in den drei Provinzen getötet.
Welche Maßnahmen werden ergriffen?
Am 24. Juli begann die erste Phase der Tests an Menschen eines Impfstoffs der Universität Oxford gegen die Bundibugyo-Variante. Nach Angaben der Entwickler liegen bereits 620.000 Dosen bereit - allerdings dürfte es selbst im besten Fall noch Monate dauern, bis großflächig geimpft werden kann.
Seit Anfang Juli läuft die klinische Testung zweier antiviraler Therapieverfahren gegen das Virus. Es handelt sich um einen monoklonalen Antikörper mit dem Namen MBP134 und das antivirale Medikament Remdesivir. Auch eine Studie zur Postexpositionsprophylaxe mit Obeldesivir für die Verhinderung von Infektionen bei Personen, die enge Kontakte zu Infizierten hatten, läuft.
Die Nachverfolgung der Kontakte lag nach Angaben der WHO zuletzt bei 78 Prozent - die Behörden hätten von rund 15.500 gemeldeten Kontaktpersonen 12.100 zur Überprüfung aufgesucht. Zur Eindämmung seien 95 Prozent nötig.
Welche Aussichten gibt es?
Beim zweitschwersten bislang erfassten Ebola-Ausbruch von 2018 bis 2020 im Ostkongo starben rund 2.300 Menschen. Damals wurden mehr als 300.000 Kontaktpersonen mit dem erprobten Wirkstoff gegen die Zaire-Variante geimpft. Die WHO wertet aber auch den Aufbau von Vertrauen in der Bevölkerung als entscheidend für die Eindämmung des Ausbruchs. Traditionelle und religiöse Autoritäten wurden in den Gemeinden als Vermittler eingebunden.
Weitere Isolierbetten, noch mehr Kontaktnachverfolgung und ein massiver Ausbau bei der Aufklärung der Bevölkerung seien dringend nötig, sagt Ebola-Experte Gertler der dpa. «Wenn das nicht in ausreichendem Maße geschieht, müssen wir gegenwärtig davon ausgehen, dass der Ausbruch sich noch sehr lange, mit Sicherheit im nächsten Jahr, fortsetzen wird und auch andere Länder in der Region erreicht werden können.»