Die besondere Chance der Mega-Events beim Klimaschutz
Das Forscherteam ging davon aus, dass pro Tonne CO₂-Äquivalent global ein wirtschaftlicher Schaden von 186 US-Dollar (163 Euro) entsteht - ein oft genutzter Wert, der etwa Ernteausfälle sowie Extremwetter- oder Gesundheitsschäden einrechnet. Demnach ergebe sich für die Tour ein Gesamtschaden von 10,8 Millionen US-Dollar. Das entspreche etwa 4,7 Prozent der Ticketeinnahmen.
Coldplay versprach auf seiner Webseite, mehr CO₂ zu binden, als die Tour verursacht habe. Die Band nennt unter anderem Projekte in der Wiederaufforstung, Bodenregeneration, CO₂-Abscheidung und -Speicherung und bei den erneuerbaren Energien.
Mega-Events generierten einen erheblichen wirtschaftlichen Wert und die Stars hätten zugleich eine einzigartige Nähe zu ihrem Publikum, «was ihnen sowohl die Mittel als auch den kulturellen Einfluss gibt, um beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einzunehmen», sagte Servi.
114 Dollar wirtschaftliche Schäden pro WM-Ticket
Für die WM 2026 mit 104 Spielen schätzten die Forscher einen Ausstoß von insgesamt 4,23 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Dies entspreche rein rechnerisch den jährlichen Emissionen von etwa 785.000 Europäern. Hier entfallen 82 Prozent auf Reisen der Fans zur WM sowie auf ihren Transport innerhalb und zwischen den Austragungsorten. Die wirtschaftlichen Schäden der Gesamtemissionen berechnete das Team auf 787 Millionen US-Dollar.
Rechnete man Konzert- und Reise-Emissionen in die Ticketpreise ein, würden sie sich bei Coldplay im Schnitt um etwa 11 US-Dollar erhöhen und bei der WM um etwa 114 US-Dollar.
So könnte es gehen
Die Forscher haben drei zentrale Vorschläge für Mega-Events:
1) Eine Erhöhung der Ticketpreise und zugleich eine Rückvergütung für nachweislich nachhaltiges Anreisen. Die Käufer seien durchaus bereit, mehr zu zahlen, schreibt das Team mit Verweis auf öffentlich verfügbare Daten aus Sekundärmärkten von Karten.
2) Bei der Auswahl der Veranstaltungsorte sollte der Reiseaufwand für die Fans minimiert werden, etwa durch mehr Veranstaltungsorte in regionalen Zentren. «Für die Weltmeisterschaft könnte eine Verlegung der Veranstaltung nach Europa die Reise-Emissionen erheblich reduzieren, da etwa 40 Prozent der internationalen Teilnehmer von dort kommen», heißt es in der Studie.
3) Fans sollten ermutigt werden, ihre CO₂-Emissionen freiwillig über zertifizierte Kompensationsprogramme zu kompensieren - aber erst, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft seien.
Zudem könnten Bands ihre Reichweite nutzen, um klimaschonende politische Maßnahmen zu fördern, schreibt das Team und hebt das US-amerikanische Indie-Pop-Trio AJR hervor. Dies habe gemeinsam mit lokalen Interessengruppen seine Fans in Klimaschutzkampagnen eingebunden.
Wenn Taylor Swift beschließen würde, Klimaverträglichkeit in den Mittelpunkt ihrer Tourneen zu stellen, könnte das beispielsweise mehr Veranstaltungsorte und damit weniger Reisen für ihre Fans bedeuten und zudem Ticketrabatte für Zugfahrten statt Flüge ihrer Fans, sagte Hauptautor Larcom der dpa.