«Aus persönlicher Erfahrung bin ich mir sehr sicher: Auch andere Arten, und generell Säugetiere, nehmen den Verlust eines Artgenossen wahr, und dies führt zu Verhaltensweisen, die als Trauer oder Depression beschrieben werden können», sagte Meynecke. Die Empfindungen seien vermutlich anders als bei Menschen, die Auswirkungen aber oft ähnlich - etwa die Verweigerung von Nahrungsaufnahme.
Schimpanse Flint starb an gebrochenem Herzen
Besonders dramatisch ist die Geschichte des Schimpansen-Kindes Flint. Als seine Mama Flo im tansanischen Gombe-Nationalpark starb, isolierte sich ihr damals achtjähriger Sohn zunehmend. Die weltberühmte Primatenforscherin Jane Goodall beobachtete, wie Flint immer wieder zu seiner toten Mutter ging. Dann hörte er auf zu fressen - wenige Wochen später war er selbst tot. Goodall sagte später, Flint sei an gebrochenem Herzen gestorben.
Auch Schimpansenmütter scheinen sich umgekehrt nur schwer von ihren toten Jungen zu trennen. Manche tragen die leblosen Körper noch Tage mit sich – manchmal Wochen oder sogar Monate.
Und was ist mit Haustieren? In einer Studie aus Australien und Neuseeland mit 159 Hunden und 152 Katzen berichteten Halter unter anderem von verändertem Fressverhalten, wenn ein Gefährte starb. Bei Hunden fraßen 35 Prozent weniger, 31 Prozent langsamer. Auch Katzen zeigten Veränderungen: Viele miauten häufiger und lauter. Beide Arten suchten die Lieblingsplätze des toten Artgenossen auf.
Elefanten «begraben» ihre Toten
Elefanten wiederum versammeln sich an Kadavern, berühren, beschnuppern und bewachen sie und kehren immer wieder zu dem Toten zurück. Beobachtet wurde auch, wie Elefanten sterbende Tiere zu stützen oder tote Kälber fortzutragen versuchten. Manchmal bedecken sie verstorbene Artgenossen mit Erde oder Pflanzen. Ob dies tatsächlich der menschlichen Vorstellung von Bestattung entspricht, kann aber niemand wissen.
Ein eindrucksvoller Fall ereignete sich 2013 in Kenia. Als die 55 Jahre alte Elefantenkuh Victoria starb, wich die Familie der Matriarchin nicht von ihrer Seite. Victorias zehnjährige Tochter Noor blieb noch lange bei ihr, ihr 13-jähriger Sohn Malasso stieß die Mutter sogar mit den Stoßzähnen an – wohl in dem Versuch, sie wieder aufzurichten. Wochen später beobachtete die Forscherin Shifra Goldenberg dann eine noch überraschendere Szene: Sogar Elefanten aus anderen Familien suchten noch immer Victorias Überreste auf.
Was löst solches Verhalten aus? An diesem Punkt stößt die Wissenschaft bisher an Grenzen. Vielleicht geht es nicht um Abschied, wie Menschen ihn verstehen. Aber wenn Trauer bedeutet, einen Verstorbenen nicht einfach loslassen zu können, dann kommen viele Tiere dieser Definition wohl ziemlich nahe.