Millionen Menschen in Deutschland ernähren sich vegetarisch oder vegan. Tierwohl und Faktor Klima spielen eine Rolle. Tatsächlich kann Klimaschutz auch auf dem Teller stattfinden, sagen Experten.
Fleisch, Wurst, Milch, Käse, Eier - das alles kommt nicht in den Einkaufskorb beim Kölner Musiker Ben. Der 26-Jährige ernährt sich seit einigen Jahren vegan, ohne jegliche tierische Produkte. «Erst war es eine persönliche Challenge, aber der Fokus hat sich immer mehr auf das Tierwohl verschoben.» Es falle ihm leicht, sich rein pflanzlich zu versorgen. «Das wird bei mir ein dauerhaftes Ding bleiben, zumal ich Vorteile für den Klimaschutz sehe.»
Vegane Ernährung kann den CO2-Fußabdruck verringern
Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leben vegan oder aber vegetarisch - also ohne Fleisch und Wurst, aber etwa mit Milchprodukten. Wissenschaftler sagen: Weniger tierische Produkte sind besser fürs Klima. Pflanzliche Lebensmittel verursachen weniger Treibhausgase als Fleisch oder Milch, für pflanzliche Produkte wird oft auch weniger Wasser und Ackerfläche benötigt.
Wer vorwiegend Pflanzenkost wähle, könne seinen CO2-Fußabdruck verkleinern, sagt auch Nils Rettenmaier vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu). Gerade erst haben die Vereinten Nationen gewarnt: Die Erde steuert bis Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung um 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Um aber die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu begrenzen, sind 1,5 Grad das globale Ziel.
Millionen Menschen ernähren sich vegan oder vegetarisch
Es gebe unterschiedliche Zahlen, wie viele Menschen genau vegan oder vegetarisch leben, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Der Ernährungsreport 2025 des Landwirtschaftsministeriums weist rund zwei Prozent der Bevölkerung als vegan, sieben Prozent als vegetarisch aus. Es gibt immer mehr pflanzliche Produkte in Supermärkten und Discountern. Neue vegane oder vegetarische Restaurants öffnen in vielen Städten. Hinweise darauf, dass Interesse und Nachfrage wachsen.
Überdurchschnittlich häufig leben jüngere Menschen ohne tierische Produkte, wie das Max-Rubner-Institut in seinem Nationalen Ernährungsmonitoring «nemo 2025» zeigt: Unter den 18- bis 29-Jährigen ernähren sich demnach 2,7 Prozent vegan und knapp acht Prozent vegetarisch. Ähnlich sieht auch eine Allensbach-Umfrage vom Juni 2026 junge Leute hier besonders stark vertreten.
Was genau bringt das vegane Leben dem Klima?
Für die einzelne Person macht es einen Unterschied, ob sie sich mit oder ohne tierische Produkte ernährt, erläutert ifeu-Experte Rettenmaier. Denn: Der CO2-Fußabdruck eines Menschen - die Summe aller klimaschädlichen CO2-Emissionen - setze sich aus Bereichen wie Wohnen, Reisen und Mobilität, Ernährung oder auch sonstigem Konsum zusammen. Und auf den Komplex Ernährung entfalle ein «relevanter Anteil».
Schaue man auf den ernährungsbedingten CO2-Fußabdruck einer durchschnittlichen Person, aufgeschlüsselt nach Produktgruppen, dann machen die tierischen Produkte insgesamt 60 bis 65 Prozent der CO2-Emissionen aus, sagt der Geoökologe. Fleisch falle etwas mehr ins Gewicht als Milchprodukte. «Wenn wir unseren ernährungsbedingten CO2-Fußabdruck verringern wollen, dann müssen wir an diese beiden Stellschrauben ran, also hier reduzieren.»