Wissenschaftler sind etwas optimistischer geworden, was die Erderwärmung angeht. US-Präsident Trump sieht sich bestätigt in seiner Skepsis gegenüber dem Klimawandel. Experten widersprechen ihm.
Fällt der Klimawandel aus? Klimaforscher haben ihre Annahmen für den schlimmsten Fall bei der Erderwärmung abgemildert und ihre Berechnungen angepasst. US-Präsident Donald Trump triumphierte und wertete den Schritt als Absage an «Klima-Alarmismus». Doch das ist aus Sicht von Wissenschaftlern ein Missverständnis: Der Klimawandel bleibe bedrohlich – was sich auch daran zeigt, dass das bisherige beste Szenario nun düsterer ausfällt.
Worum geht es überhaupt?
Wissenschaftler des World Climate Research Programme haben einen Fachartikel veröffentlicht, in dem sie verschiedene Szenarien für die fortschreitende Erderwärmung skizzieren. Das Ausmaß an Treibhausgasemissionen im bisher gravierendsten Szenario sei «unplausibel geworden».
Das erklärt der niederländische Hauptautor Detlef van Vuuren in einem erläuternden Beitrag unter anderem mit den gesunkenen Kosten erneuerbarer Energien, die in den vergangenen Jahren schneller als erwartet zugelegt haben, wodurch der Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas weniger rasant zulegen dürfte. Zudem werde etwas für den Klimaschutz getan, wenn auch in begrenztem Umfang.
Das Bundesumweltministerium betrachtet das als Erfolg der Klimapolitik. Es lohne sich für Investoren heute mehr, auf erneuerbare Energien zu setzen, statt Kohlekraftwerke zu finanzieren.
Muss man sich damit keine Sorgen mehr machen wegen der Erderwärmung?
Doch. Auch wenn die Emissionen im schlimmsten Szenario niedriger ausfallen, bedeute das nicht, dass ein gefährlicher Klimawandel abgewendet wurde, schreibt van Vuuren. Denn in dem angepassten Worst-Case-Szenario gehe man immer noch von einer Erhitzung des Planeten um etwa 3,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit aus, «ein Wert, bei dem sehr schwerwiegende Klimafolgen zu erwarten sind». Zum Vergleich: Das Vorgänger-Szenario ging laut Deutschem Wetterdienst von einer Erwärmung von deutlich mehr als vier Grad bis zum Ende des Jahrhunderts aus.
Zudem verweist van Vuuren auf Unsicherheiten: Es sei durchaus möglich, dass der globale Temperaturanstieg 4 Grad bis 2100 übersteige. Außerdem sei danach ein weiterer Anstieg zu erwarten, das zuvor für 2100 prognostizierte Niveau werde dann voraussichtlich 2150 erreicht sein.
Der neue Ansatz sei keinesfalls als Entwarnung zu verstehen, erläutert auch Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. «Die Wissenschaft geht heute von sehr viel gravierenden Auswirkungen für ein bestimmtes Temperaturniveau aus als noch vor zehn Jahren.» Insbesondere die Wahrscheinlichkeit von Kipppunkten sei heute erheblich höher, also Punkten, ab denen sich negative Entwicklungen deutlich beschleunigen. «Damit sind die Auswirkungen des aktuellen Szenarios mit den höchsten Emissionen in etwa so gravierend, wie es vor zehn Jahren vom Worst-Case-Szenario erwartet wurde.»