In vielen Regionen vom Aussterben bedroht
Wie viele Feldhamster es in Deutschland noch gibt, lässt sich nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz nicht beziffern. In vielen Bundesländern ist der Feldhamster vom Aussterben bedroht. Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz listet das Bundesamt dabei auf.
In Nordrhein-Westfalen und Sachsen war der Feldhamster den Angaben zufolge kurzzeitig ausgestorben und kommt nun mit kleinen Beständen wieder vor - dank Nachzuchten und Wiederansiedlungsprojekten. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gilt die Art schon länger als ausgestorben.
Warum geht es dem Feldhamster schlecht?
Das Image des Feldhamsters ist denkbar schlecht. Er macht sich die dicken Backentaschen voll. Von Hamsternkäufen ist die Rede, wenn Waren aus Angst vor Knappheit stark nachgefragt, gebunkert werden. Als Schädling bekämpft und wegen seines Fells gejagt, ging es dem Feldhamster lange an den Kragen.
Erntemethoden, bei denen Felder teilweise bereits im frühen Hochsommer abgeerntet und ohne Stoppelphase umgebrochen werden, verschlechterten die Lebensbedingungen, erklärt das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW. Pflanzenschutzmittel verringerten Zusatznahrung wie Insekten und Kräuter.
Später stellten Verträge mit Landwirten dann sicher, dass auf Auswilderungsflächen auf Ernten verzichtet wird, Getreide erst im Oktober abgemäht und erst dann der Boden für die neue Einsaat bereitet wird. So hätten Feldhamster genügend Zeit, Nahrung zu sammeln und in ihrem Bau für den Winter einzubunkern.
Wie geht es bei der Zucht weiter?
Im NRW-Artenschutzzentrum steht die entscheidende Phase für zunächst zwölf Paare an: Kritschker setzt jeweils ein Männchen im verschlossenen Behälter in die Großbox eines Weibchens. Die Tiere sollen sich erstmal nur beschnüffeln, kennenlernen. Sie bekommen eine halbe Stunde dafür, das Team macht Pause. Klettert sie auf den Behälter mit dem Männchen, gilt das als gutes Zeichen.
Der Deckel wird geöffnet. Es kann hektisch und laut werden. «Wie gesagt, wenn sie absolut nicht will, dann greift sie auch gleich an, und dann müssen wir sofort trennen», unterstreicht der Tierpfleger. Bei 36 Verpaarungen kommt das in wenigen Fällen vor. Die Tiere paaren sich zumeist abends oder nachts.
«Meistens ist das in der ersten Nacht. Ich kann das ungefähr sehen, weil 19 Tage ist Tragzeit», schildert Kritschker. Vier Nächte dauert das Stelldichein der 36 Feldhamster-Paare in Metelen, um eine Erfolg sicherzustellen. Wenn Wochen später Fiepsen aus den Bauen zu hören ist, sind es im Schnitt acht Jungtiere.
Warum sind Feldhamster wichtig?
Viel Nachwuchs ist schon deshalb erforderlich, um die Verluste in der Natur auszugleichen. Der Feldhamster steht auf dem Speiseplan vieler Tiere von geschützten Arten, von Rotmilan über Eule bis zu Fuchs und Wiesel. Und wo es dem Feldhamster gut geht, finden auch andere Lebewesen Unterschlupf oder Nahrung - vom Rebhuhn über Reptilien bis hin zu Insekten.
Vorgezogene Paarung für mehr Nachwuchs
Die Feldhamster im NRW-Artenschutzzentrum sind früher dran mit der Paarung als ihre Artgenossen in der Freiheit. Das Projektteam steuert den Biorhythmus mit Wärme und dem künstlichen Licht in den Hallen. Die Zeitschaltuhren sind eigentlich auf die Sonnenuntergänge und -aufgänge für die Region Köln eingestellt - wo die Feldhamster voraussichtlich später leben werden.
Nach dem Winterschlaf wird hier die Dosis aber schneller als in der Natur gesteigert. «Dann fangen wir schon im Februar an, die Lichtlänge zu erhöhen auf 14 Stunden», erklärt Kritschker. Das entspreche bereits dem Stand Mitte April. «Die Tiere werden aktiv, realisieren das Licht. Ich fange an, die Heizung leicht aufzudrehen. Wir simulieren so ein bisschen den Frühling.»
«Die Tiere kommen früher in Stimmung bei uns, und so können wir früher züchten», verdeutlicht der Tierpfleger. Ihr erster Wurf im Artenschutzzentrum könne sich dann in der Natur noch im selben Jahr reproduzieren. Die Weibchen könnten nach dem Nachwuchs in der Station im selben Jahr noch zwei weitere Würfe in der Natur aufziehen - bei ausreichender Nahrung.