In einer älter werdenden Gesellschaft flössen nun mittlerweile die Daten vieler älterer – und irgendwann versterbender – Hautkrebs-Patienten ein, da Krebs in höherem Alter häufiger vorkomme, erklärt Brinker.
Dies schlägt sich in der aktuellen Statistik nieder: Mehr als die Hälfte der 2024 an Hautkrebs Gestorbenen war 80 Jahre oder älter (knapp 53 Prozent).
Zudem entwickle sich durch erfolgreiche Therapien schwarzer Hautkrebs zunehmend zu einer chronischen Krankheit, sodass Patienten erst später sterben, so Brinker weiter. Beides trage dazu bei, dass zeitliche Entwicklungen der Hautkrebssterblichkeit vorsichtig interpretiert werden müssten und nicht für sich genommen belegten, dass das Screening nicht funktioniere.
Sollte das Screening also so bleiben, wie es ist?
Nicht unbedingt in seiner heutigen Form, wie Brinker meint. Er sieht deutlichen Optimierungsbedarf. «Ein Screening, wo jeder regelmäßig hingehen kann ab 35, das halte ich für falsch. Es gibt sicherlich Patienten, die sogar jedes Jahr gescreent werden sollen oder sogar alle sechs Monate. Das sind Leute, die haben über 100 Muttermale auf der Haut, die haben Hautkrebs in der Familie, oder die haben einen Beruf, der sie stark UV-Strahlung exponiert. Denken Sie an den Dachdecker, an den Postboten – auf die sollte man gezielter zugehen.»
Bei einem ersten Vorsorgetermin sollten Risikofaktoren abgefragt werden und dann entsprechend die weitere Häufigkeit der Vorsorgetermine festgelegt werden. Viele müssten dann jahrelang nicht kommen, andere wiederum häufiger. «In diesem Spektrum kann aus meiner Sicht auch wirklich Geld gespart werden.» Zudem wünscht sich der Experte eine schnellere Zulassung von KI-unterstützten Geräten, die Hausärzte bei einer besseren Diagnostik unterstützen können.
Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen warnt davor, das Screening auszusetzen, und weist darauf hin, dass es auch für die Aufklärung über den richtigen Umgang mit UV-Belastung eine wichtige Rolle spiele.
Wie geht es weiter?
Zunächst müssen Bundestag und Bundesrat den Plänen des Kabinetts zustimmen. Danach könnte der Gemeinsame Bundesausschuss mit einer Überprüfung beauftragt werden. Dieser würde dann Studien auswerten, Experten zurate ziehen und schließlich eine Stellungnahme dazu abgeben, welchen erwiesenen Nutzen die Früherkennung hat – oder eben auch nicht hat. Dies soll bis Ende 2027 passieren. Auf dieser Grundlage könnte die Politik dann Konsequenzen ziehen und entscheiden, ob sie das Programm auf besondere Risikogruppen fokussieren oder die Häufigkeit der angebotenen Untersuchungen verändern will.
Wichtig bleibt für jeden Einzelnen, sich selbst zu schützen und das Hautkrebs-Risiko zu minimieren. Laut Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ist der wichtigste Risikofaktor für fast alle Hautkrebsarten UV-Strahlung (ultraviolette Strahlung). Konsequenter Sonnenschutz – unter anderem durch Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor – wird dringend empfohlen.