Nicht die erste invasive Ameise
Die Asiatische Nadelameise stammt ursprünglich aus Ostasien. Im Südosten der USA wurde sie laut Universität 1932 erstmals entdeckt. Seitdem verdrängt sie dort in mehreren Bundesstaaten heimische Ameisenarten. Aus den USA seien auch allergische Reaktionen bekannt, die denen nach Wespenstichen ähneln. In Europa wurde ein einzelnes Tier dieser Art bereits 2020 in Neapel gefunden, später folgten weitere Funde in Italien, unter anderem die Population am Comer See.
Für die genaue Bestimmung der in Stuttgart gefundenen Ameisenart verglichen die Forscher um Boudinot äußere Merkmale wie Körperform, Oberflächenstruktur und Augen. In der Studie beschreibt das Team präzise Details, damit die Ameise künftig von nah verwandten Arten unterschieden werden kann.
Zuletzt hatte die ebenfalls eingeschleppte Ameisenart Tapinoma magnum für Schlagzeilen gesorgt. Sie breitet sich millionenfach in vielen Kommunen aus, frisst sich durch Stromkabel, legt Internetverbindungen lahm und dringt in Autos, Spülmaschinen oder Kinderzimmer vor. Allein in Baden-Württemberg sind in Dutzenden von Städten und Gemeinden teils auffallend große Kolonien nachgewiesen worden.
Sie knabbern sich durch Parks und Gärten
Invasive Ameisen verursachen weltweit erhebliche Schäden: Sie können öffentliche Grünanlagen und private Gärten beeinträchtigen, Nutztiere sowie geschützte Arten angreifen und ganze Lebensräume verändern. Auch für Menschen sind sie nicht ungefährlich – ihre Stiche können schwere allergische Reaktionen bis hin zu lebensbedrohlichen Schocks auslösen. Verbreitet werden die Tiere häufig unbemerkt, etwa über den internationalen Pflanzenhandel, in Containern oder im Reisegepäck.
Begünstigt wird die Verbreitung dieser Arten auch durch steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels. Die veränderten klimatischen Bedingungen erleichtern es ihnen, sich in neuen Regionen zu etablieren und dort rasch zu vermehren.
Über Topfpflanzen bis nach Stuttgart?
Forscher vermuten, dass die Asiatische Nadelameise über Pflanzen eingeschleppt wurde. «Urbane Gebiete stehen häufig im Zentrum der Etablierung gebietsfremder Arten», sagt Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. «Hier kommen sie vermehrt als blinde Passagiere, beispielsweise in Topfpflanzen oder anderen Importgütern, an und können sich oft auch besonders gut etablieren.»
Unklar sei, wie weit die Asiatische Nadelameise in Deutschland bereits verbreitet sei. Die Wissenschaftler empfehlen gezielte Monitoring-Programme, um eine mögliche Ausbreitung frühzeitig zu erkennen. «Nur wenn wir wissen, welche Arten sich ausbreiten oder zurückgehen, können gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden», sagt Haas-Renninger.