Über 10.000 Demonstranten haben sich vor dem Rathaus versammelt, wo sie zu den Klängen von Kirchenliedern für ein «gesundes Korea» werben. Homosexualität ist in den Augen der Gegendemonstranten eine Sünde.
Laut einer OECD-Studie von 2020 gehört Südkorea neben Japan und der Türkei zu den Schlusslichtern bei der rechtlichen Gleichstellung von LGBTQ-Personen. Und seither dürfte sich wenig geändert haben.
Seit Jahrzehnten wird ein Antidiskriminierungsgesetz blockiert
Nach wie vor kämpfen gleichgeschlechtlich liebende Koreanerinnen und Koreaner sowie Transpersonen um ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, das sexuelle Minderheiten rechtlich schützt. Seit rund 20 Jahren wird ein entsprechender Gesetzesentwurf in der südkoreanischen Nationalversammlung blockiert.
Kein Präsident hat sich bislang an das Vorhaben gewagt - entweder aus Überzeugung oder aber aus Angst, konservativ-christliche Wählerstimmen zu verlieren.
Auch Ahn Chang Ho, Leiter von Südkoreas nationaler Menschenrechtskommission, lehnt ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz mit dem Verweis ab, es könne die Meinungsfreiheit einschränken.
In der Vergangenheit ist der ehemalige Richter, der 2024 vom konservativen Ex-Präsident Yoon Suk Yeol berufen wurde, immer wieder durch homophobe Aussagen aufgefallen. So bezeichnete er etwa Homosexualität als «zentrales Instrument für eine kommunistische Revolution».
Deutsche Botschaft solidarisiert sich mit LGBT-Community
Unterstützung erhält Südkoreas LGBTQ-Gemeinschaft hingegen von insgesamt 20 vorwiegend europäischen Botschaftsvertretungen, die am Freitag eine gemeinsame Solidaritätsbekundung veröffentlicht haben.
«Wir sind fest davon überzeugt, dass ein starkes Engagement gegen Diskriminierung die nationale Stärke festigen und zugleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die wirtschaftliche Entwicklung voranbringen wird», heißt es in der Erklärung, die auch von der deutschen Botschaft unterzeichnet wurde.
Auffällig ist, dass die Stellungnahme nicht von der US-Botschaft geteilt wurde. Im Gegensatz zu früheren Jahren hat die diplomatische Vertretung der Vereinigten Staaten diesmal nicht an der Veranstaltung teilgenommen.