Staatsanwaltschaft: Ermittlungen am Anfang
Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen zu dem Fall noch ganz am Anfang. «Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden», teilte ein Sprecher der Behörde mit. Der Behörde liege der Fall seit dem 26. Februar vor, so der Sprecher. Die Anzeige bei der Polizei sei drei Tage zuvor erfolgt.
Das Jugendzentrum äußerte sich nicht und verwies an das zuständige Bezirksamt Neukölln. Von dort hieß es, dem Amt sei bekannt, dass es an einem Novemberabend zu der Vergewaltigung durch einen Besucher gekommen sein solle und es Ende Januar zu sexuellen Übergriffen durch mehrere männliche Jugendliche gegeben haben solle.
«Das Jugendamt wurde am 28. Januar 2026 über diese Vorfälle informiert», teilte ein Sprecher mit. Die zuständige Bezirksstadträtin habe erst am 2. März davon erfahren.
Warum erfolgte keine Anzeige?
Offen ist bislang, warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete. Zunächst hieß es von der Neuköllner Verwaltung zur Begründung, es sei keine Anzeige erstattet worden, weil weder vom Opfer noch vom Täter die Namen bekannt gewesen seien. Dies sei nun «Gegenstand der Aufklärung», hieß es vom Sprecher des Bezirksamtes Neukölln.
Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (39, SPD) sagte der «Bild», der «erschütternde Fall» zeige, dass Strukturen und Abläufe im Jugendamt einer «selbstkritischen internen Überprüfung» bedürften.
Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie teilte mit, sie habe nach Bekanntwerden des Vorfalls im Rahmen ihrer dezentralen Bezirksaufsicht umgehend um Informationen gebeten. Jugendstaatssekretär Falko Liecke lasse dabei prüfen, «ob die berlineinheitlichen Vorgaben und Ausführungsvorschriften zum Kinderschutz vom Bezirk entsprechend umgesetzt wurden».
Vorfall aus politischen Gründen nicht gemeldet?
In der «Bild»-Zeitung äußerte der CDU-Politiker den Verdacht, dass der Vorfall von Betreuern der Einrichtung aus politischen Gründen nicht gemeldet wurde. «Es ist ein Unding, dass hier offensichtlich die muslimischen Täter geschützt werden, um sie nicht zu stigmatisieren, und das Opfer wird im Stich gelassen. Diese Haltung ist ein völliges No-go», sagte Liecke der Zeitung.
Auch dem Bezirk macht der CDU-Politiker Vorwürfe: Obwohl die Leiterin des Jugendamtes bereits am 29. Januar informiert worden sei, habe das Bezirksamt den Fall nicht auf die Tagesordnung gesetzt.