Ausbruch setzt Minister Limbach unter Druck
Der spektakuläre Ausbruch setzt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Bündnis 90/Die Grünen) unter Druck. Limbach steht ohnehin in der Kritik - unter anderem nach Korruptionsvorwürfen gegen JVA-Bedienstete, über die er zu spät informiert haben soll.
«Ein Gitterstab verschwindet nicht von allein. Justizminister Limbach muss erklären, wie der Mann an das nötige Werkzeug gelangen konnte», wetterte die oppositionelle SPD-Landtagsfraktion nach dem Ausbruch. Sie bezweifele, dass Limbach noch in der Lage sei, Sicherheitsmängel im NRW-Strafvollzug rechtzeitig zu beheben, erklärte die SPD-Abgeordnete Sonja Bongers.
Der Minister bemühte sich dagegen, Handlungsstärke zu zeigen. Er informierte sehr schnell und von sich aus am Sonntagmorgen über den Ausbruch und schickte sofort einen Sicherheitsexperten des Ministeriums für Ermittlungen in die Anstalt. «Wir werden lückenlos aufklären, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen umgehend die notwendigen Konsequenzen zu ziehen», sagte der Minister.
Schon lange kein klassischer Ausbruch mehr
Klassische Ausbrüche aus geschlossenen Gefängnissen sind in Nordrhein-Westfalen äußerst selten und laut Ministerium seit Jahren nicht mehr vorgekommen - mit Ausnahme eines Falls Mitte Juni vergangenen Jahres in der JVA Bielefeld-Senne, als ein Häftling erst ein knapp drei Meter hohes Rolltor und dann noch eine Mauer überwand. Der Fall wurde aber offiziell nicht als Ausbruch, sondern als «Entweichung» aus dem offenen Vollzug gewertet.
Solche «Entweichungen» oder verspätete Rückkehr etwa nach Ausgang oder Freigang kommen immer mal wieder vor. 2024 habe es 174 solcher Fälle gegeben - aber eben keinen klassischen Ausbruch, sagte der Justizsprecher. «Wir haben grundsätzlich einen sehr ausbruchsicheren Strafvollzug, wie man an den Zahlen sieht», sagte er.
36 Haftanstalten mit etwa 18.000 Haftplätzen gibt es laut Ministerium im einwohnerstärksten Bundesland, dazu 5 Jugendarrestanstalten. Inhaftiert seien aktuell rund 15.000 Menschen. Die Zahl der Haftplätze reiche also aus.
Warum konnte er so gut klettern?
In der Duisburger JVA stellen sich viele vor allem die Frage, wie der Häftling an der Fassade hoch und in schwindelnder Höhe um die Dachsicherung herum aufs Dach gelangen konnte - und all das mitten in der Nacht.
Vielleicht hat er ja besondere Kletterqualitäten wie der 2025 entflohene Häftling in Bielefeld-Senne. Dieser war nämlich ein Parkour-Sportler, der das Überwinden von Hindernissen im städtischen Raum gewohnt war, wie das NRW-Innenministerium nach der Flucht in einem vertraulichen Papier berichtete.