Schach in Deutschland erlebt starken Aufwind
Autor: dpa
, Donnerstag, 23. Juli 2026
Das Schachspiel in Deutschland ist alles anderes als matt: Manche Vereine erleben einen Ansturm und haben Warteschlangen für neue Mitglieder. Und auch im internationalen Maßstab geht es aufwärts.
Deutschland erlebt einen Schachboom - und wird dabei auch auf internationalem Parkett immer stärker. «Unsere Mitgliederzahlen entwickeln sich hervorragend. Wir sind kurz davor, die 100.000-Marke zu überschreiten», sagt Paul Meyer-Dunker, der seit Mai neuer Präsident des Deutschen Schachbundes ist, der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Elbestadt richtet derzeit den Deutschen Schachgipfel mit rund 1000. Spielern aus.
Keine Nachwuchssorgen im Schach
Bundesweit gibt es rund 2.300 Schachvereine. Man habe die Delle aus der Corona-Zeit nicht nur wieder ausgleichen, sondern kräftig drauflegen können, betont der Präsident im Ehrenamt, der beruflich unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter für einen Bundestagsabgeordneten tätig ist. «Vor allem im Kinder- und Jugendbereich merken wir, dass die Mitgliederzahlen mächtig nach oben gehen. Nachwuchsprobleme haben wir definitiv nicht. Da müssen wir uns keine Sorgen machen.»
Faszination Schach
Laut Meyer-Dunker gibt es in Städten wie Berlin Vereine, die wegen des Ansturms derzeit keine Mitglieder mehr aufnehmen. «Schach wird von sehr vielen Menschen gespielt.» Zu den Vereinsmitgliedern kämen noch Millionen hinzu, die online spielten. «Die Faszination mag für jeden unterschiedlich sein. Für mich ist es eine wunderschöne Art von Wettkampfsport. Man kann sich in eine Denkaufgabe hineinvertiefen und geistig mit jemandem messen - und das manchmal mehrere Stunden lang.»
Deutschland auch am internationalen Schachbrett erfolgreich
Nach Ansicht des Präsidenten ist Deutschland auch im Spitzenbereich bei den Nationalmannschaften so stark wie seit langem nicht mehr. Mit Vincent Keymer aus Saulheim in Rheinland-Pfalz habe man einen Schachspieler, der zur Weltklasse gehöre. Und Matthias Blübaum aus dem nordrhein-westfälischen Lemgo sei als zweifacher Europameister jetzt bei einem der Kandidatenturniere dabei gewesen, auf dem der Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Dommaraju Gukesh aus Indien ermittelt wird.
Medaille bei der Schacholympiade in Usbekistan?
«Wir haben eine Nationalmannschaft, in der alle in den Top 100 der Welt sind. Das ist ein Team, das bei der Schacholympiade im September in Usbekistan die Chance hat, um eine Medaille mitzuspielen», sagt Meyer-Dunker.
Auch bei den Frauen gebe es mit der gebürtigen Erfurterin Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner, die nach Heidelberg zog, zwei Spielerinnen mit Spitzenniveau. Die deutschen Frauen hätten bei der Mannschafts-EM erstmals mit Bronze eine Medaille erkämpft.
Noch zu wenige Frauen in den Vereinen aktiv
Allerdings sieht Meyer-Dunker gerade bei den Frauen noch Nachholbedarf, denn 90 Prozent der Mitglieder des Deutschen Schachbundes seien Männer. In den Altersklassen unter 6, 7 und 8 Jahren gebe es die höchsten Mädchenanteile mit etwa einem Drittel, bei den Älteren würden die Quoten wieder einbrechen. Deshalb denke der Verband darüber nach, junge Mädchen im Schach in Zukunft besonders zu fördern.