Auch das Innenministerium in Madrid gab Kontra
Wenige Wochen nach der Lossagung vom Vatikan wurden die Nonnen im Juni 2024 exkommuniziert, also aus der Kirche ausgeschlossen. Im Anschluss daran entbrannte ein Streit um die Kontrolle über das Kloster in Belorado und weitere Immobilien der Gemeinschaft, die die Nonnen ebenfalls verlieren werden.
Insgesamt acht Verfahren sind anhängig. Die Frauen lehnten jede Verhandlung mit Burgos Erzbischof Mario Iceta ab und kamen den Aufforderungen, die Schlüssel abzugeben, nie nach. Immer wieder hatten sich in den vergangenen knapp zwei Jahren Dutzende in- und ausländische TV-Teams vor dem Eingangstor mit dem Schild «Privatgrund. Betreten verboten» ein Stelldichein gegeben. Schließlich forderte der Erzbischof von Burgos Gläubige auch auf, nicht mehr an den Messen im «besetzten» Kloster teilzunehmen.
Die Frauen hatten zwischenzeitlich auch versucht, ihre Gemeinschaft in eine zivile Vereinigung umzuwandeln, um nach der Trennung von der Kirche weiter gemeinsam leben und das Kloster verwalten zu können. Das Innenministerium in Madrid verweigerte jedoch die Registrierung. Nach Auffassung der Kirche und der Justiz verloren die Frauen damit auch ihr Recht, im Kloster zu wohnen, sowie darüber hinaus jeden Anspruch auf das Vermögen des Klosters. Casals versichert: «So etwas hat es in Spanien noch nie gegeben!»
Ungewisse Zukunft
Nun stehen die Nonnen nach eigenen Angaben vor dem Nichts. «Unsere nächste Herausforderung ist es, zusammenzubleiben. Nicht, weil es keinen Zusammenhalt gibt, sondern weil uns die Mittel fehlen. Man hat uns alles genommen», beklagt Paloma. Man werde «entwurzelt» und spüre einen «tiefen Schmerz». Sie bat um finanzielle Unterstützung: «Wir müssen Gerichtsverfahren und viele Menschen bezahlen, Reisekosten, Sprit, Mietwagen und vieles mehr.»
Droht Obdachlosigkeit? Die Nonnen kommen zunächst bei Bekannten und Helfern unter. Es habe zwar sehr viele «Angebote» gegeben, erzählt Canals. Aber die Suche nach einem Domizil für die Frauen gestalte sich schwierig, «weil sie zusammenbleiben wollen und zudem viele Haustiere haben». «Sie sind nicht nur seelisch, sondern auch finanziell ruiniert, weil man all ihre wirtschaftlichen Aktivitäten boykottiert hat - etwa den Verkauf von Schokolade und Gebäck.»
Im Februar wurde deshalb das Online-Projekt «Queremos un convento» (Wir wollen ein Kloster) ins Leben gerufen - ein «Solidaritätsaufruf an alle Spanier». Man hofft auf eine Spende oder ein Schnäppchen in einem der von Landflucht betroffenen Gebiete: «In einem zunehmend entvölkerten Spanien gibt es Hunderte verlassene Gebäude, in denen niemand lebt», heißt es in dem Aufruf.
Trotz allem blicken die Rebellinnen optimistisch in die Zukunft. Diese werde nicht von ihren Gegnern bestimmt, «sondern von Gott». Paloma: «Nun müssen wir nach vorne schauen - als starke Frauen, mit der Gnade und Kraft, die der Herr uns gibt. Er führt uns, und wir gehen vertrauensvoll dorthin, wohin er uns führt.»
Der spanische Fall erinnert an den der drei betagten rebellischen Nonnen aus Österreich, die im September 2025 ein ihnen zugewiesenes Altersheim verlassen und das leerstehende Kloster im Schloss Goldenstein bei Salzburg wieder bezogen hatten. Dort hatten sie zuvor jahrzehntelang gelebt, und dort wollen die über 80-jährigen Frauen ihren Lebensabend verbringen. Dieser Schritt löste einen Konflikt mit dem für Schwestern zuständigen Ordens-Vertreter aus und machte international Schlagzeilen. Die Vatikan-Behörde für Ordensangelegenheiten teilte den Schwestern schließlich mit, dass sie daran arbeite, eine «gerechte, menschliche und nachhaltige Lösung zu finden».