Bereits zweite fehlgeschlagene Hinrichtung
«Wir empfinden keine Freude darüber, Recht zu haben, aber die von Frau Pike vorgebrachten Bedenken haben sich als wahr erwiesen: schwieriger Zugang zu den Venen, geplatzte Venen, abgebautes Pentobarbital, keine verfügbare medizinische Notfallversorgung, wenn die Dinge zwangsläufig schiefgehen, und all das unter einem Protokoll, das weiterhin von Geheimhaltung umgeben ist,» heißt es in dem Statement.
Im Bundesstaat Tennessee ist es bereits die zweite fehlgeschlagene Hinrichtung in diesem Jahr. Im Mai musste in letzter Sekunde eine geplante Vollstreckung per Todesspritze gestoppt werden, weil das medizinische Personal keine Vene finden konnte. Einer der Ärzte, der an der fehlgeschlagenen Hinrichtung im Mai beteiligt war, sollte auch an der Hinrichtung von Pike teilnehmen, berichtet der US-Sender NBC. Der Mediziner habe seit 13 Jahren keinen Zentralvenenkatheter mehr gelegt, berichtet der US-Radiosender NPR.
Von 2022 bis 2025 herrschte in Tennessee ein Hinrichtungsstopp, nachdem bekannt geworden war, dass der US-Bundesstaat zwischen 2018 und 2022 wiederholt gegen die eigenen Vorgaben verstoßen und die für tödliche Injektionen verwendeten Medikamente nicht ordnungsgemäß geprüft hatte, berichtet der US-Sender NBC.
Für 2026 geplante Hinrichtungen in Tennessee gestoppt
Der republikanische Gouverneur Bill Lee habe nach der gescheiterten Hinrichtung am späten Mittwoch entschieden, alle für den Rest des Jahres 2026 geplanten Hinrichtungen zu stoppen und eine «umfassende Überprüfung durch eine unabhängige dritte Partei» angeordnet, um genau festzustellen, was vorgefallen sei, berichten US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf eine Stellungnahme des Gouverneurs.
«Die Vollstreckung eines rechtmäßig verhängten Urteils gehört zu den wichtigsten Verantwortlichkeiten des Staates, und die Menschen in Tennessee erwarten, dass dies auf eine Weise geschieht, die nicht nur rechtmäßig und verfassungsgemäß ist, sondern auch wirksam,» so Lee in der Stellungnahme.
Fehlgeschlagene Hinrichtungen in den USA kein Einzelfall
Neben der im Mai in Tennessee fehlgeschlagenen Hinrichtung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Vollstreckungen, die entweder gescheitert oder qualvoll verlaufen sind. Oft scheitern Hinrichtungen daran, dass es dem Gesundheitspersonal nicht gelingt, die nötige Kanüle zu legen oder eine Vene zu finden, wie beispielsweise 2022 in Alabama oder 2024 in Idaho. Die Giftspritze ist in den USA die häufigste Hinrichtungsmethode. Seit 2024 ist in mehreren Bundesstaaten auch eine Hinrichtung mit Stickstoff erlaubt, was in der Praxis zu einem qualvollen Todeskampf der Verurteilten führt.
Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.