Friedrich Merz wird ehrlich: "Schule hatte Schwierigkeiten mit mir"

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Friedrich Merz wird ehrlich: "Schule hatte Schwierigkeiten mit mir"
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Besuch seines ehemaligen Gymnasiums, dem Friedrich-Spee-Gymnasium, mit Schülern auf der Bühne.
Friedrich Merz wird ehrlich: "Schule hatte Schwierigkeiten mit mir"
Bernd Thissen/dpa

Friedrich Merz gab an seiner alten Schule negative Seiten seiner Schülervergangenheit ehrlich zu. Dabei gab er den Schülern einen Rat mit auf den Weg.

Friedrich Merz hat das Gymnasium im Sauerland besucht, in dem er vor 51 Jahren sein Abitur ablegte. Als der Kanzler auf dem Schulhof aus seiner schwarzen Limousine steigt, brandet trotz bescheidener Beliebtheitsquote in Deutschland Applaus auf. Hunderte  Schüler begrüßen den hohen Gast. "Wenn ich früher hier zur Schule gegangen bin, war das nicht so wie heute Morgen", freut der sich über den herzlichen Empfang. 

"Hallo, Kanzler", rufen einige, die sich hier zum Spalier für den wohl berühmtesten Abiturienten ihrer Schule aufgestellt haben. Und Merz antwortet, indem er die Kinder und Jugendlichen nacheinander mit Handschlag begrüßt. 

"Macht ein bisschen besseres Abitur als ich": Friedrich Merz an seiner alten Schule

Ihm ist die Freude über den Besuch anzumerken: Er scherzt viel, lässt sich auf Gespräche mit den Schülern ein. Dort oben, wo heute an der Fassade "Friedrich" für "Friedrich-Spee-Gymnasium" stehe, sei sein Klassenraum gewesen, berichtet er in einer kurzen Ansprache auf dem Schulhof. Er habe sich an der Schule immer sehr wohlgefühlt, betont er. Und er lässt durchblicken, dass das während seiner Schullaufbahn nicht immer der Fall gewesen sei. 

In der holzvertäfelten Aula der damals noch Aufbaugymnasium genannten Schule in Rüthen nahm er vor 51 Jahren sein Abiturzeugnis entgegen. Auf seine nicht berauschende Abschlussnote ging er im "Zeit"-Podcast "Alles gesagt?" ein. Am 5. Oktober in Rüthen freue er sich, da zu sein, etwas Abwechslung in den Alltag der Schüler zu bringen. Dass seine Leistungen damals gerade einmal ausreichend gewesen sein dürften, deutet er ebenfalls an: "Macht ein bisschen besseres Abitur als ich", ist einer der Ratschläge des Kanzlers für die Kinder und Jugendlichen. 

Später im Aula-Gespräch vor etwa 120 Schülern sowie Lehrkräften macht er klar, dass es vor allem die Schuljahre vor seiner Zeit in Rüthen waren, die auf das Bild des schwierigen Schülers Merz einzahlen. "Ich hatte keine Schwierigkeiten mit der Schule, die Schule hatte Schwierigkeiten mit mir", stellt er klar, als die Schüler ihn nach diesem Teil seiner Schullaufbahn fragen. Er habe eine Klasse wiederholen müssen, sei mit Mathematik nicht zurechtgekommen. 

Schülerfragen in intimer Runde: Wie geht der Kanzler mit Kritik um?

Erst "nachdem das Gymnasium Brilon und ich der Meinung waren, dass wir nicht so gut zusammenpassen", wie Merz es unter Gelächter der Anwesenden ausdrückt, und er ins etwa eine halbe Busstunde entfernte Rüthen wechselte, wendete sich das Blatt. Er habe dann gute Lehrer gehabt, sich wohlgefühlt, es habe eine gute Atmosphäre geherrscht. Später zählten Mathematik und Physik sogar zu seinen liebsten Fächern, berichtet der Kanzler. 

Die meisten der Fragen nach seinem Werdegang, seiner Schulzeit, seinem Alltag und seiner Verantwortung als Kanzler, die ihm die Schüler stellen, beantwortet Merz, nachdem die Medienvertreter und Kameraleute hinausgeschickt wurden. Der Gast sollte offen reden können. Das habe er auch getan, berichten teilnehmende Schüler im Anschluss. So sei er gefragt worden, wie er mit Kritik umgehe. Man müsse sie annehmen, dürfe sie sich aber auch nicht so zu Herzen nehmen, erinnert sich Stufensprecher Moritz Grofe an die Antwort. 

Die Schüler hatten die Fragen im Vorfeld zusammengetragen. Im Rahmen der Gesprächsreihe "Ehemalige erzählen", zu der Merz aus Anlass des 100. Geburtstags der Schule eingeladen wurde, habe man keine große Tagespolitik machen wollen, erklärt er. "Ich glaube, er hat sich wirklich wohlgefühlt – jetzt und auch früher", sagt Grofe. "Man hat richtig die Nostalgie gespürt." Ein Marktforschungsinstitut hat kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht. Dabei ging es um die Frage, ob Angela Merkel die aktuellen Herausforderungen als Bundeskanzlerin besser meistern könnte.

Merz hatte in der vergangenen Woche bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises angekündigt, sich wieder mehr selbst um die Bildungspolitik zu kümmern und immer wieder mal Schulen besuchen zu wollen. Er empfinde es als seine wichtigste Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die junge Generation eine Chance habe, in Frieden, Freiheit und Wohlstand zu leben, betont er in Rüthen. Dafür sei er Bundeskanzler. "Ich mache es, weil ich etwas tun möchte für euch."