«Er kann andere Menschen lesen»
Verteidiger Ingo Bott hielt dem Zeugen dessen Aussage bei der Polizei vor. Dort habe der 42-Jährige gesagt, nach seiner Überzeugung habe Barkay gezielt «einfache Leute» ausgesucht, die leicht zu täuschen seien. «Er kann andere Menschen lesen», sagte der Zeuge über den 69-Jährigen, der nach eigenen Angaben für den Geheimdienst tätig war. Während der Rückholaktion dachte der Zeuge laut eigener Aussage: «Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation.»
Laut Worten des Zeugen war er überrascht, dass die Kinder im Dunkeln durch einen Wald laufen sollten. Da habe er verstanden, «dass etwas schiefläuft». Er sei erst einmal nach Hamburg zurückgekehrt, sagte der Zeuge, der seinen Angaben zufolge in Israel Projektmanager ist. Der Zeuge berichtete weiter, er habe in Hamburg zu seiner Überraschung erfahren, dass die Kinder erst einmal nach Süddeutschland gebracht worden seien und er auch dorthin fahren solle.
Zeuge: Christina Block schön «wie eine Prinzessin»
Auch Christina Block reiste zu diesem Bauernhof - nach ihrer Aussage hörte sie erst Neujahr 2024 von den mutmaßlichen Kidnappern, was geschehen war. «Sie war voller Emotionen», sagte der Zeuge. Bei der Begegnung in Baden-Württemberg habe er zu Christina Block gesagt, sie sei so wunderschön «wie eine Prinzessin».
Der 42-Jährige und weitere Beschuldigte aus Israel hatten sich mitten im laufenden Prozess gemeldet. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.
Gab es ein Treffen mit Block vor der Tat?
Christina Block hatte vor Gericht ausgesagt, sie habe vorher nichts von den Tatplänen gewusst. Alle mutmaßlichen Entführer, die bisher ausgesagt haben, hatten jedoch von einem Treffen mit ihr kurz vor der Aktion berichtet. Sie habe in einem Konferenzraum des zur Block-Gruppe gehörenden Hotels Grand Elysée zu den maskierten Männern gesprochen. Auch der aktuelle Zeuge erwähnt einen solchen Termin, der laut seiner Aussage am 30. Dezember stattgefunden haben soll.
«Sie hat gesagt: Nur ihr Israelis könnt meine Kinder zurückbringen», sagte er auf die Bitte der Nebenklage, ihre Worte noch einmal ganz genau zu wiederholen. Block habe sich zudem bedankt und ein paar Gegenstände übergeben, die die Kinder an ihr früheres Leben bei der Mutter in Hamburg erinnern sollten.
Blocks Verteidigung erklärte erneut, dass es ein solches Treffen nie gegeben habe. Anwalt Bott monierte, es gebe Widersprüche, weil die Israelis alle ein anderes Datum oder eine andere Tageszeit genannt hätten. Er bohrte beim Zeugen nach: Wer soll denn an dem Tag neben Ihnen gesessen haben? Wie weit stand Frau Block von Ihnen entfernt? Welche Farbe hatte die Decke, die Frau Block angeblich übergeben haben soll? An diese Einzelheiten könne er sich nicht erinnern, erwiderte der Zeuge.
Unterschiedliche Bewertung der Zeugenaussage
Nach Abschluss der Vernehmung bezeichnete der Nebenklagevertreter die Aussage des 42-Jährigen als glaubhaft. Das sahen mehrere Verteidiger anders. Sie betonten, dass die Aussagen der Israelis nicht zusammenpassten. Verdeutlicht habe die jüngste Zeugenaussage auch, dass der Vorwurf, es habe monatelange Planungen der Angeklagten mit Barkay gegeben, nicht stimme. Der mutmaßliche Chef der Kidnapper habe erst am 31. Dezember 2023 spontan entschieden, die Kinder zu holen - weil er erst in diesem Moment erfahren habe, dass sie das Feuerwerk am Hafen schauen werden.
Der Prozess wird am 8. Juli fortgesetzt.