Für Trendexpertin Gabriela Kaiser ist klar: Wir befinden uns derzeit in einem Trend zum Magischen. Zu sehen sei das an etlichen Produkten - von Tarotkarten über Kristalle und Amulette bis hin zu Räucherkräutern.
Die Angebote seien vielfältig, gingen aber alle in eine mystische Richtung und sprächen durch Gerüche oder eine besondere Optik verschiedene Sinne an. «Das ist ja auch so, sage ich mal, eine starke Gegenbewegung zu diesem ganzen Technologiezeitalter, in dem alles so super unmystisch ist», sagt Kaiser.
Betrug und Manipulation bei Zaubersprüchen?
Bei den meisten Produkten ginge es um die Atmosphäre. Sie könnten eine witzige neue Erfahrung sein. Doch bei den Zaubersprüchen hat die Trendforscherin Bedenken. «Da geht man schon in einen Bereich rein, den ich persönlich gefährlich finde. Ganz einfach, weil da auch einige Scharlatane unterwegs sind, wo es einfach nur ums Geld geht.»
Auch Psychologin Mohr fragt sich, ob die Anbieter selbst eigentlich überzeugt sind von ihren hohen Versprechen. «Ich denke, da wird ganz schön viel beschissen.» Da nutze man dann wirklich Leute aus, die in dramatischen Situationen seien, etwa weil sie schlecht mit einem Verlust klarkämen.
Kaiser fürchtet auch, dass Menschen ihre Eigenverantwortung abgeben könnten, wenn sie die Zaubersprüche quasi für sich handeln ließen. «Die Grenzen verschwimmen dann da halt auch schon mal, wo man einfach sagt, die Menschen verlassen sich dann nur noch darauf», sagt sie. «Und dann wird es für meine Begriffe unter Umständen eben auch gefährlich, weil du einfach im Prinzip dein Leben teilweise abgibst.» Nicht zuletzt sei es auch manipulativ, andere mit einem Zauberspruch zur Liebe zwingen zu wollen oder sie als Konkurrenz aus dem Weg räumen zu lassen.
Alte Bräuche in neuem Gewand?
Insgesamt räumt Mohr ein, dass Zaubersprüche aus dem Internet kein ganz neues Phänomen seien. «Ich glaube, nur das Medium verändert sich.» Früher habe man eben Tarotkarten gelegt oder ein Foto verbrannt oder unters Kopfkissen gelegt.
Prinzipiell könnten solche objektbezogenen Kontrollhandlungen hilfreich sein, um Sicherheit zu geben und Angst zu reduzieren, wenn Menschen das Gefühl hätten, nichts tun zu können. Die Psychologin betont aber auch: «Es kann natürlich total schiefgehen, wenn man dann auch fest dran glaubt oder dann auch bereit ist, vielleicht zu viel dafür zu zahlen.»
Ob die meisten Menschen, die solche Zaubersprüche kaufen, tatsächlich daran glauben, da ist sich Mohr nicht so sicher. Für manche sei es sicherlich einfach nur ein Spaß.