Persönliche Gegenstände hat Mona fast keine dabei. «Ich habe nicht einmal daran gedacht, Fotos meiner Kinder mitzunehmen - für den Fall der Fälle.» Nun liest sie viel Zeitung, hört Radio und schaut immer wieder in ihre durchwälzte Bibel. «Meine Bibel ist das einzige Buch, das ich mitgenommen habe», erzählt Mona und lächelt plötzlich offen. In der Schrift zu lesen, helfe ihr. «Wir versuchen, positiv zu bleiben, selbst wenn wir die Situation nicht verstehen.»
Der Wunsch nach Normalität
Wie es um ihre Wohngegend steht, das weiß Mona nicht, denn niemand darf dorthin zurück. Flammen gebe es dort aber nicht, nur Rauch und natürlich bestehe die Gefahr, dass der Brand überschlagen könnte. «Ich mache mir um das Haus ein bisschen Sorgen, aber vor allem will ich zurück nach Hause und wieder ein normales Leben führen.»
Von einem normalen Leben ist Mona im Notlager weit entfernt. Arbeiten kann sie nicht. Ihr Büro ist ebenfalls in dem nun evakuierten Gebiet. «Wir wissen überhaupt nicht, wie lange das dauern wird», klagt sie.
Auf dem Messegelände musste Mona mehrfach den Ort wechseln. Nun ist sie in der großen Halle 2. «Sie ist erdrückend», meint die Französin. «Hier sind viel zu viele Menschen. Hier ist wirklich einer an den anderen gedrängt.» Ständig gebe es Hin und Her, auch Tiere seien unterwegs und das grelle Licht an der Decke bleibe immer an. «Das ist unerträglich.» Selbst nachts kehre keine Ruhe ein. Schlafen habe sie diese Nacht nicht können. «Aber nun ja, wir leben damit.»
Riesige Masse an Spenden und helfenden Händen
Mit nur einer Handvoll Evakuierten gestartet, waren zwischenzeitlich fast 7.000 Menschen in den Notunterkünften an der Messe untergebracht. Viele von ihnen kamen nur für eine Nacht. Die Behörden versuchen, ihnen andere Bleiben zu organisieren, im Zweifel auch in Schlafsälen an Schulen, die zumindest etwas mehr Komfort und Privatsphäre bieten als die riesigen Hallen, in denen die einfachen Feldbetten eng an eng aneinandergereiht sind.
Psychologen, Ärzte, Osteopathen, auch Tierärzte sind vor Ort, um den Menschen zu helfen, mit der schwierigen Lage umzugehen. In einer Ecke organisieren Freiwillige Freizeitangebote für Kinder und Erwachsene. Einige Menschen spielen Badminton. Die Zahl der Hilfsangebote ist überwältigend. Vorerst nimmt die Stadt weder Spenden an, noch sucht sie weitere Freiwillige. Mehr als genügend Menschen haben Unterstützung angeboten.
Freiwillige: Zeit für Gespräche sind wichtig
Eine von ihnen ist Cathrine. Die Ärztin im Ruhestand wollte eigentlich im Medizinteam mithelfen. Doch weil es dort schon genügend helfende Hände gab, verteilt sie nun Kleidung, Schlafmasken und Seife. «Ich hatte das Gefühl, dass Menschen gebraucht werden, und auch ich habe es gebraucht, mich zu engagieren», erzählt die 68-Jährige aus dem Umland von Bordeaux.
Als am Anfang Menschen aus Altenheimen völlig verloren in der Halle waren, sei es unglaublich schwierig gewesen. Mittlerweile seien die Senioren nicht mehr vor Ort und die anderen Menschen recht gefasst. Doch: «Mit der Zeit werden die Menschen es auch leid.» Catherine betont, sich viel Zeit für diejenigen zu nehmen, die hier gestrandet sind. «Sie müssen reden», sagt Catherine, über das Erlebte, aber auch über ihre Hoffnung. Und sie, die Freiwillige, höre zu.