Das trifft auch auf ihm zu. Er ist eigentlich gelernter Installateur, hat einen Meistertitel. Bevor er auf der Straße lebte, war er verheiratet und hat Kinder aus der Ehe. Die Trennung von seiner Frau war es, weswegen er auf der Straße landete. "Das habe ich psychisch immer noch nicht verkraftet", gibt er zu.
Junge Obdachlose wie "Tochter" für André
Die Menschen, die mit ihm gemeinsam auf der Straße leben, sind für ihn wie eine Ersatzfamilie, so wirkt es im Gespräch. Immer wieder kommen andere Obdachlose auf ihn zu, begrüßen ihn vertraut, fragen nach Sachen. Als es Essen gibt, trommelt er die anderen zusammen. "Meine Tochter", sagt er über eine junge, wohnungslose Frau – im übertragenen Sinne.
Die Gruppenbildung kann auch Probleme verursachen. Wenn zu viele wohnungslose Menschen an einem Ort verweilen, räume die Polizei oft den Platz, erklärt André aus eigener Erfahrung. Doch diese Gruppenbildung ist bitter nötig, vor allem als Schutz in der Nacht. Man werde oft angegriffen, beklaut oder belästigt. "Alleine schafft man es nicht." Welchen Gefahren obdachlose Menschen ausgesetzt sind, zeigte unlängst auch ein Fall aus Würzburg.
Es ist das soziale Umfeld, das ihn in Nürnberg hält. Dort fühlt er sich wohl. "Ich kenne niemanden offiziell", meint er verschmitzt. "Aber mich kennen viele." Sogar manche Polizisten erkundigten sich gelegentlich nach ihm, fragten ihn, ob er etwas brauche. Auch von der Stadt komme "ein bisschen" Hilfe, etwa die Wärmestube oder die Heilsarmee. Eine Notunterkunft sei allerdings kein Zuhause, mahnt die Diakonie Bayern zum Tag der Obdachlosen (11. September).
Ehemalige Friseurin aus Nürnberg hilft nun Obdachlosen
Ganz besonders viel Unterstützung kommt von privater Seite, erklärt André. Eine dieser Unterstützerinnen ist Margit "Maggie" Balling. Sie kennt ihn und die Gruppe, schaut zwei- oder dreimal die Woche am Aufseßplatz vorbei und bringt selbstgekochtes Essen mit. Das finanziert sie zum Teil über Sachspenden von regionalen Betrieben, teils aus eigener Tasche. Dazu sammelt sie auch Geldspenden.
"Wenn man mal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören", sagt Balling bei inFranken.de. "Hier schaut ja keiner hin." Balling war jahrelang selbstständig als Friseurin; nun bietet sie auch wohnungslosen Menschen Haarschnitte und Rasuren an.
Auch Andrés Begegnungen mit Passanten sind meist positiv geprägt. "Ich bekomme sehr oft ein gutes Feeling. Für Obdachlose ist es eine riesengroße Bestätigung, wenn die Leute uns ansprechen." Wenn man merke, dass man nicht abgeschrieben sei. "Wir sind kein Dreck."