Am Montagabend wurden die letzten Passagiere der «Hondius» von Teneriffa aus in die Niederlande ausgeflogen, mit dabei sein sollte auch ein deutsches Crewmitglied, wie das niederländische Außenministerium mitteilte. Kurz nachdem die Menschen von Bord gegangen waren, stach das Schiff mit einer Restbesatzung in See, um nach Rotterdam zu fahren.
Kapitän der «Hondius» lobt «Zusammenhalt» der Passagiere
Der Kapitän der «Hondius», Jan Dobrogowski, hat sich erstmals in einer Videobotschaft zu der Krise geäußert. Er bedankte sich bei seiner Besatzung und den Passagieren für «Geduld, Disziplin und Freundlichkeit». «Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend», sagte der aus Polen stammende Kapitän. Die Menschen hätten aber unter diesen schwierigsten Umständen «Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft» gezeigt.
Er habe gesehen, dass «Menschen einander vertrauen können, auch wenn nicht sofort Hilfe bereitsteht». Allen Menschen an Bord wünschte der Kapitän eine sichere Heimreise.
Positive Tests in Frankreich, Spanien den USA
Inzwischen wurde auch eine Französin positiv auf das Virus getestet. Der Zustand der Frau habe sich in der Nacht verschlechtert, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist dem Sender France Inter. Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums zeigte von den 17 Landsleuten, deren Rückholung die Regierung organisierte, einer milde Symptome. Bei einem weiteren habe ein PCR-Test «mild positiv» angeschlagen. PCR-Tests können bereits eine sehr geringe Virenmenge nachweisen.
Auch einer der 14 spanischen Passagiere von dem Kreuzfahrtschiff wurde in der Quarantäne in Madrid positiv auf das Hantavirus getestet. «Die Person ist isoliert, ohne Symptome und wohlauf», schrieb Gesundheitsministerin Mónica García am Montagabend auf der Plattform X. Die PCR-Tests der anderen 13 Spanier im Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Madrid hätten ein negatives Ergebnis gezeigt.
Einen größeren Anstieg der Fallzahl gibt es weiterhin nicht - und Experten rechnen wegen der geringen Ansteckungsfähigkeit des Erregers auch nicht mit ihm. Mit Blick auf den dieser Tage mitunter gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Lars Schaade, Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) im ZDF-«heute journal»: «Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.» Sehr viele andere Erreger wie etwa das Masernvirus sind wesentlich - um ein Vielfaches - ansteckender als das Andesvirus.
Das Andesvirus sei zudem schon lange bekannt und gut einschätzbar, hieß es weiter. Bislang sei es immer gelungen, «die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen».
Kurz vor Abfahrt machte Schiff am Pier fest
Auf der «Hondius» waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums war darunter eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger.
Die «Hondius» wurde kurz vor ihrer geplanten Abfahrt von Teneriffa in die Niederlande, unter deren Flagge sie fährt, doch noch an einem Pier festgemacht. Grund sei aufkommender Wind, der die Abholung der Passagiere wie am Vortag in kleinen Booten zu schwierig machen würde, sagte eine Korrespondentin des staatlichen spanischen TV-Sender RTVE in einer Liveschalte vom Hafen von Granadilla.
Kritik und Ängste auf Teneriffa
Die Tatsache, dass das Schiff nun doch mit dem Land verbunden ist, dürfte für Kritik und neue Ängste auf der Insel sorgen. Die Regionalregierung der Kanaren hatte im Vorfeld darauf bestanden, dass die «Hondius» nicht anlegt, weil sie Sorge hatte, Mäuse mit dem Hantavirus könnten an Land gelangen.
Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García hatte das jedoch unter Berufung auf Experten als für ausgeschlossen bezeichnet. Zudem gab es keine Informationen, dass überhaupt Mäuse an Bord seien. Stattdessen wurde vermutet, dass sich einer oder mehrere Passagiere vor Beginn der Kreuzfahrt in Südargentinien an Land infiziert haben könnte und das Virus so an Bord gelangte.
Die Ausschiffung der letzten Menschen an Bord wurde am Abend erwartet. Anschließend sollte die «Hondius» mit einer Restbesatzung Richtung Niederlande in See stechen.