Die britische Regierung will Kinder vor sozialen Medien schützen und diverse Plattformen für unter 16-Jährige verbieten. Doch bei einem einfachen Verbot soll es nicht bleiben.
Keine sozialen Medien mehr für Teenies unter 16 - und nicht nur das: Die britische Regierung will die Nutzung von weiteren digitalen Diensten für Kinder und Jugendliche erheblich einschränken. Entsprechende Maßnahmen stellte Premierminister Keir Starmer in London vor.
Bei einer Pressekonferenz sprach Starmer von einem «großen Moment» für das Land. Alle Eltern wünschten sich, dass ihre Kinder gesund und glücklich seien, sagte er. Doch Social Media verursache das Gegenteil. «Soziale Medien machen Kinder unglücklich. Sie machen es Mobbern leichter, sie zu schikanieren und zu missbrauchen», machte der Premier seine Haltung deutlich.
Mit der Ankündigung folgt das Vereinigte Königreich dem Vorbild Australiens. Australien hatte im Dezember 2025 als erstes Land der Welt ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Mittlerweile wollen immer mehr europäische Länder dem Beispiel folgen - und Großbritannien will gar noch weitergehen. Schließlich wolle man jungen Menschen wieder ihre Kindheit zurückgeben, sagte Starmer.
Was die Briten vorhaben
Die Pläne sollen Starmer zufolge bis Weihnachten verabschiedet werden und das Verbot im Frühjahr 2027 in Kraft treten - die konkrete Umsetzung wird noch ausgearbeitet. Ein Überblick über die geplanten Maßnahmen:
- Im Kern steht das Verbot von Social-Media-Diensten für unter 16-Jährige. Dazu zählen etwa «Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und X», wie es in einer Mitteilung heißt. Messaging-Apps wie WhatsApp und Signal fallen hingegen nicht unter das Verbot.
- Auf Gaming- und Live-Streaming-Plattformen sollen Erwachsene nicht mehr mit Kindern chatten können.
- Für Teenies unter 18 wird eine digitale Sperrstunde in Erwägung gezogen, um ungesunde Gewohnheiten wie das nächtliche Scrollen zu bekämpfen.
- Ins Visier nehmen will die Regierung auch romantische und/oder sexuelle KI-Chatbots, bei denen die Systeme Beziehungen vorgaukeln. Dafür soll ein Mindestalter von 18 Jahren gelten. «Ähnliche intime Funktionen» sollen für Nutzer unter 18 generell bei KI-Systemen eingeschränkt werden.
Starmer: Verbot trotz mancher Vorteile richtige Entscheidung
Die Entscheidung der Briten war in den vergangenen Wochen bereits erwartet worden. Über Monate hatte sich die Regierung in einer Konsultationsphase beraten. Experten wurden hinzugezogen, und auch Umfragen und Tests mit Jugendlichen und ihren Eltern durchgeführt. Eine überwiegende Mehrheit sprach sich für restriktivere Gesetze und Altersbeschränkungen aus.
Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, soziale Medien hätten Jugendlichen auch Vorteile gebracht, sagte Starmer. Ein vollständiges Verbot sei angesichts der Risiken und negativer Konsequenzen dennoch die richtige Entscheidung.
Diskussionen um Einschränkungen von Social-Media-Plattformen für Minderjährige gibt es derzeit in einigen europäischen Ländern. Mehrere EU-Länder haben bereits angekündigt, ein Social-Media-Verbot für Minderjährige gesetzlich festlegen zu wollen. In Deutschland steht ein Verbot ebenso zur Debatte. Auch deshalb steht die Europäische Union unter Druck, weil nur die EU-Kommission den großen Plattform-Betreibern Vorschriften machen darf.