Es folgte eine großangelegte Suchaktion. Hunderte Einsatzkräfte waren im Einsatz und durchkämmten Güstrow und Umgebung nach dem Kind. Hundestaffeln und Hubschrauber wurden eingesetzt. Die Beamten klingelten an Haustüren und befragten Passanten. Vier Tage lang hoffte man, den Jungen lebend zu finden.
Eine Art Schockstarre
Am 14. Oktober kam dann die Nachricht, dass etwa 15 Kilometer südwestlich von Güstrow eine Kinderleiche entdeckt wurde. Wenig später herrschte Gewissheit: Es handelt sich um Fabian. Der Hinweis auf den Fund kam laut Staatsanwaltschaft von der später verhafteten Tatverdächtigen, die die Polizei auch zum Fundort geführt habe. Wie sich schnell herausstellte, wurde das Kind Opfer eines Gewaltverbrechens.
Güstrows Bürgermeister Sascha Zimmermann berichtete damals von einer Art Schockstarre in dem Ort: «Weil man nicht begreifen kann, warum so etwas passiert. Warum jemand einem Kind so etwas antut und ein Kind tötet.»
Die Familie, Angehörige, Freunde und Bewohner suchten Halt. Die Kirche St. Marien wurde für sie zu einem Ort der gemeinsamen Trauer. Schon am 14. Oktober, dem Tag des Fundes, versammelten sich am Abend 700 Menschen zu einer «Lichtermesse». Damals zündeten die Menschen 400 Kerzen in der Kirche an.
Immer wieder stellten Menschen danach Kerzen vor die Kirche. Und nicht nur das. Viele Dutzende kleine und große Plüschtiere, Hunde, kleine Mäuse, Minions und Teddybären, Matchbox-Autos und vieles mehr. «Wir lernen wohl gerade das langsame Loslassen», sagte Pastor Jens-Peter Schulz, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Pfarrgemeinde Güstrow beim zweiten Trauergottesdienst am 30. Oktober. «Fabians Tod hat uns angerührt.» Einen Abschluss werde es so schnell nicht geben können.
Fabians Mutter als Nebenklägerin
Das gilt auch für die kommende Zeit. Das Landgericht Rostock muss prüfen, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. An einem Prozess wird Fabians Mutter als Nebenklägerin teilnehmen, wie ihre Anwältin Christine Habetha der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Den Nebenklageanschluss haben wir bereits erklärt.»
Die Polizei wertete rund 1.000 Spuren in dem Fall aus. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Am 5. November - nach wochenlangen Ermittlungen ohne greifbare Ergebnisse - berichtete die ZDF-Fernsehsendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» über den Fall. Danach gingen zahlreiche Hinweise bei der Mordkommission ein.
Haftbefehl am 6. November vollstreckt
Nur einen Tag später verhaftete die Polizei die Tatverdächtige wegen dringenden Mordverdachts. Nähere Angaben zu ihr machte der Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, Harald Nowack, auch damals nicht.
Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht. Allerdings verwies Nowack mit Blick auf die Dauer der Untersuchungshaft auf eine Sechs-Monats-Frist, die Anfang Mai ablaufe. «Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb dieser Frist mit der Terminierung der Hauptverhandlung beginnen werden.»