Beziehungsprobleme zwischen dem Vater und der Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft eine zentrale Rolle für die Tat gespielt haben. Die Angeklagte habe ziel- und zweckgerichtet gehandelt, um mit der Tötung des Jungen einen Streitpunkt in der Beziehung zum Vater aus dem Weg zu räumen, hieß es in der Anklage. Der Vater habe die Beziehung nicht fortführen wollen, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht gefährden wollte.
Fabians Mutter hat nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zum Vater. Sie komme nicht damit zurecht, wie er mit dem Verlust von «Fabi» umgehe. So habe er die Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) besucht. «Damit komme ich nicht zurecht. Ich will keinen Kontakt mehr», sagte die Mutter. Der Besuch des Vaters in der JVA ist laut Staatsanwaltschaft dokumentiert.
Die Angeklagte lächelt mehrmals während des zweiten Verhandlungstages, als Richter Holger Schütt den Vater fragte, wie er die Angeklagte beschreiben würde. Einfühlsam, emphatisch, liebevoll, starker Charakter - das waren seine Worte. Und eifersüchtig sei sie auch.
Die Wohnung war leer
In der Verhandlung wurde ein kurzer Audio-Mitschnitt vorgespielt, in dem sich die Angeklagte und Fabians Vater im Dezember vorigen Jahres unterhielten. Die Frau, die seit 7. November in Untersuchungshaft sitzt, verfolgte die Aussage der Mutter - anders als beim Vater - weitgehend ohne äußere Reaktionen. Sie will sich nach Angaben ihrer Anwälte zunächst nicht äußern.
Fabians Mutter schilderte auch unter Tränen, wie sie den Tag des Verschwindens ihres Sohnes und die Tage darauf erlebte. Fabian war am 10. Oktober krankheitsbedingt nicht zur Schule gegangen. Die Mutter ging zur Arbeit, kam aber danach direkt nach Hause, wo sie gegen 15.30 Uhr ankam und eine leere Wohnung vorfand. Abends gab sie bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf, nachdem sie und Freunde zuvor überall nach «Fabi» gesucht hätten.
Die Polizei bat sie kurz darauf, zu Hause zu bleiben, falls sich ihr Sohn doch noch melde. «Ich kam mir so hilflos vor: Nichts machen zu können und abzuwarten und zu hoffen», schilderte sie die Stunden und Tage danach.
Tagelang hatten Einsatzkräfte mit Hundestaffeln und auch einem Hubschrauber nach dem Grundschüler gesucht. Erst am 14. Oktober, vier Tage nach Fabians Verschwinden, wurde sein Leichnam an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, gefunden. Er wurde mit sechs Messerstichen getötet.
Für den dritten Verhandlungstag am 5. Mai ist der Vater erneut als Zeuge geladen. Er gilt als ein Schlüsselzeuge. «Wir wollen einfach nur die Wahrheit rausfinden. Was ist passiert?», sagte Richter Schütt zu dem Zeugen. Das Gericht hoffe, das ganze Dunkel um die Tat ein wenig erhellen zu können. «Dazu können Sie ein großes Stück beitragen», so der Richter. Insgesamt stehen bis 2. Juli noch weitere 15 Verhandlungstage an.