Hautzüchtung I
Zur Klinik CHUV gehört ein Zellproduktionszentrum. Dort züchten Forschende aus einem kleinen Stück gesunder Haut eines Patienten in zwei bis drei Wochen Gewebe, das für einen ganzen Rücken reicht. Das Programm läuft wegen Crans-Montana seit dem 2. Januar auf Hochtouren. In Deutschland liefert das Deutsche Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) in Berlin ähnliches Material, das auch an Siemers' Brandverletztenzentrum in Halle (Saale) verwendet wird.
Hautzüchtung II
Ein neues Verfahren hat das Spin-off Cutiss der Universität Zürich entwickelt: Dort stellen Biotechnologen aus wenigen körpereigenen Zellen lebende, mehrschichtige Haut her, die elastisch ist und mitwachsen kann. Noch steht das Material nur im Rahmen von Studien zur Verfügung. Siemers, der damit schon Patienten behandelt hat, ist beeindruckt: «Das könnte die nächste Generation der Behandlung von Verbrennungspatienten werden.»
Fischhaut
Aus Island kommt aus Kabeljau gewonnene Fischhaut. Sie sieht aus wie ein Netz. Die Zellen sind entfernt, aber die Struktur bleibt, wie das Unternehmen Kerecis erläutert. Die CHUV-Klinik hat sie bei Crans-Montana-Patienten verwendet. «Fischhaut kann dank des Gehalts an Omega-3-Fettsäuren die Wundheilung beschleunigen», sagt eine CHUV-Sprecherin.
«Die Fischhaut ist für die Versorgung von chronischen oder akuten Wunden und Verbrennungen ein Segen», sagt die deutsche Herz- und Gefäßchirurgin und Wundspezialistin Saziye Karaca in Genf, die damit arbeitet. «Anders als gezüchtete Haut ist sie sofort und praktisch unbegrenzt verfügbar, und sie ist günstiger.» Ihr sei kein einziger Fall einer allergischen Reaktion bekannt.
Gels
Von einer israelischen Firma stammt das Gel NexoBrid. Es entfernt verbranntes Gewebe durch eine Enzymmischung, ohne gesunde Hautstrukturen zu beschädigen, ist aber nur für Verbrennungen von 10 bis 15 Prozent zugelassen. Zum Vergleich: Ein Arm entspricht etwa 9 Prozent der Hautfläche. Manchmal könne die Wunde danach von allein heilen, sagt Siemers. Er bezeichnet das Gel als «Gamechanger» - ein Produkt, das neue Standards setzt.
Auch Wattwürmer kommen einigen Opfern in Gelform zu Hilfe. Ein Gel der französischen Firma Hemarina enthält Moleküle aus dem Hämoglobin des Wurms, das deutlich mehr Sauerstoff binden kann als menschliches Hämoglobin, wie der Erfinder Franck Zal erklärt. Das Gel ist noch nicht zugelassen, wird aber schon experimentell verwendet.
Auch die CHUV-Klinik hat es für Crans-Montana-Patienten bestellt. Es wird nach der Abnahme toten Gewebes auf die Wunde aufgetragen und soll zur Wundheilung beitragen. Bei Verbrennungen werde auch die Mikrozirkulation beschädigt, sodass die Wunde nicht mit Sauerstoff versorgt werden könne, sagt der Meeresbiologe Zal. Die bessere Sauerstoffversorgung durch das Gel könne Zellgewebe erhalten.
Die Frage der Lebensqualität
Welche Lebensqualität die Patientinnen und Patienten später erwartet, sei sehr unterschiedlich, sagt Siemers. Manche dürften monatelang in Kliniken sein. Einige brauchen noch über Jahre weitere Operationen, etwa wegen Narbenbildung. «Es hängt viel davon ab, welche Körperteile betroffen sind, ob es etwa funktionelle Einbußen gibt wie an den Händen. Und es hängt davon ab, wie sie die Situation psychisch verarbeiten.»